Böden in der Region Lissabon

Chão de Areia

Böden

Grab in einem Weinberg bei Colares ein Loch, und du gräbst lange. Unter der Oberfläche kommt nur Sand, ohne jede Struktur, oft weit tiefer als anderswo. Winzer nennen diese Grube cova. Sie kann einen bis sieben Meter tief werden, bevor endlich Ton auftaucht. Dort, im feuchten Barro ganz unten, presst man den Setzling fest, unhada nennt man das, damit die junge Wurzel sofort Halt findet.

Erst danach füllt man die Grube nach und nach wieder mit Sand, während die Rebe wächst. Diese Umkehrung wirkt umständlich und hat der Region trotzdem die Reblaus erspart: Der Schädling befällt Wurzeln, kommt aber in reinem Sand kaum voran und stirbt, bevor er tief genug gräbt. Deshalb stehen die Stöcke von Colares bis heute ungepfropft im selben Sand wie vor hundertfünfzig Jahren.

Amtlich unterscheidet die Region zwei Böden. Chão de areia heißt der lose Dünensand direkt am Meer, wo allein die Reben für Colares DOC stehen dürfen. Chão rijo nennt sich der harte Kalkmergel etwas landeinwärts, fest und tonig. Wer im Weinberg steht, sieht davon nichts. Unter der Erde ist der Unterschied absolut.

Über dem Sand macht die Rebe selbst etwas Ungewöhnliches: Sie wächst nicht als Stock nach oben, sondern kriecht flach über den Boden. Eine kleine Palisade aus trockenem Schilf umgibt jede Pflanze und schützt sie vor Salzwind und Sandflug. Aus der Luft sehen ganze Weinberge aus wie hunderte kleiner Riesenkraken. Kein Zufall: Tagsüber speichert der helle Sand Wärme und gibt sie an die flach liegenden Triebe zurück, sobald die Nortada die Luft darüber abkühlt.

Wenige Kilometer weiter, in Alenquer und Arruda, liegt eine völlig andere Erde. Vor rund zweiundsiebzig Millionen Jahren, als sich der Atlantik öffnete, brach hier der Vulkankomplex von Lissabon durch die Kruste und hinterließ dunkle, tiefe Basaltböden, barros genannt. Sie halten Wasser und Nährstoffe, die dem Sand von Colares komplett fehlen. Bucelas und Torres Vedras stehen dagegen auf hellem Kalkstein aus der Jurazeit. Drei Böden auf kaum zwanzig Kilometern, zwischen Sand und Basalt.

Grab dich durchSchicht antippen

Loser, heller Flugsand ohne erkennbare Schichtung, über Jahrtausende von der Nortada aus den Dünen an den Hang geweht. Kein Humus, kaum Nährstoffe, Wasser läuft sofort durch.

Die Wurzel: Die Feinwurzeln finden hier nichts zum Festhalten und ziehen fast senkrecht nach unten, dem Wasser hinterher.

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