
Bucelas bis Carcavelos
Region & Geschichte
Lange bevor jemand Portugal ein Weinland nannte, kannte man in London schon einen Namen aus der Gegend um Lissabon: Bucelas. Sein weißer Wein reiste seit dem sechzehnten Jahrhundert über den Atlantik. Er lief in England unter dem Spitznamen Lisbon Hock, weil er an einen deutschen Riesling erinnerte. Man trank ihn zur Zeit Elisabeths I., dann wieder, als Wellingtons Offiziere durch Portugal zogen. Ein Dorf, berühmt in halb Europa.
Weiter westlich, dort wo die Serra de Sintra fast ins Meer fällt, wuchs ein ganz anderer Wein aus einem ganz anderen Grund. Als die Reblaus in den 1870er-Jahren die Weinberge Europas auffraß, blieb Colares fast unberührt: Die Wurzeln steckten in reinem Dünensand, und der Schädling überlebt darin nicht. Die Reben stehen deshalb bis heute ungepfropft, pé franco, dieselben Stöcke wie vor der Katastrophe. 1908 erklärte ein königlicher Erlass Colares zur Região Demarcada, nach dem Douro die zweitälteste Portugals.
Am Ufer des Tejo, näher an Lissabon selbst, machte ein Politiker Carcavelos berühmt. Sebastião José de Carvalho e Melo, der Marquês de Pombal, besaß dort weite Rebflächen und ließ seinen süßen, aufgespriteten Wein bis nach China verschiffen. 1752 schenkte König José I. ihn dem Kaiserhof in Peking. Auch Carcavelos wurde 1908 demarkiert, gemeinsam mit Colares, und teilte danach ein ähnliches Schicksal: Die Reblaus kam mit Verspätung, die wachsende Stadt Lissabon fraß den Rest, Straße für Straße.
In den 1980er-Jahren war von den einst weiten Weinbergen Carcavelos fast nichts mehr übrig. 1983 gründete die Gemeinde Oeiras deshalb ein eigenes Weingut, Villa Oeiras, um den Wein zu retten. Es funktionierte, wenn auch in kleinem Maßstab. Heute stehen wieder rund fünfundzwanzig Hektar, winzig im Vergleich zu früher, aber genug, damit die älteste Herkunftsbezeichnung der Region heute mehr ist als eine Zeile in einem Geschichtsbuch.
Um diese drei alten Namen herum liegt der größere, weniger berühmte Teil der Region. Dort wachsen Alenquer, Arruda, Torres Vedras, Óbidos und Lourinhã, wo bis heute der meiste Wein Lissabons entsteht. Sie hießen bis 2009 gemeinsam Estremadura, dann übernahm die Region den klingenderen Namen der Hauptstadt.