Rebsorten in der Region Lissabon

Ramisco & Arinto

Rebsorten

Wer zwischen Alenquer und Torres Vedras durch die Weinberge fährt, sieht vor allem eine einzige Rebe: Castelão. Sie liefert hier den Alltagswein, robust und ertragreich, mit dunkler Frucht und straffem Tannin, und sie wächst quer durch fast die ganze Region. Allein erklärt sie Lissabon trotzdem nicht. Drei winzige Zonen an den Rändern der Region bauen Rebsorten an, die es sonst kaum irgendwo gibt.

Tinta Miúda begleitet Castelão im selben mittleren Gürtel, in Alenquer, Arruda und Torres Vedras, verlangt aber mehr Wärme und einen langen Sommer. Ihre Beeren sind klein und dunkelblau, die Schale dick genug für kräftige Farbe und viel Tannin. Aus ihr entstehen Weine mit hohem Säuregehalt und samtiger Textur, die jahrelang im Holzfass reifen können, bevor sie überhaupt trinkreif sind. Eile kennt sie nicht.

Ganz anders liegt Colares an der Küste, wo eine einzige Sorte namens Ramisco fast alles bestimmt: Mindestens achtzig Prozent muss ein roter Colares davon enthalten. Ramisco reift spät, bringt kaum Alkohol, nur etwa elf Volumenprozent, dafür extrem viel Säure und Tannin. Trotzdem bleibt die Farbe im Glas erstaunlich hell, fast durchscheinend, ein Widerspruch, der jeden überrascht, der die Rebe zum ersten Mal probiert. Nur gut zwanzig Hektar bauen sie heute noch an, ungepfropft im Sand. Mehr braucht dieser Wein nicht.

Auch Weiß hat seine Helden. Für Weißwein sorgt an derselben Küste die Malvasia de Colares, dickschalig, halb aromatisch, salzig im Abgang, mit mindestens achtzig Prozent Pflicht im weißen Colares. Weiter östlich, in Bucelas, übernimmt Arinto dieselbe Rolle mit einer Vorschrift von mindestens fünfundsiebzig Prozent. Sie bringt hohe Säure, Aromen von Zitrone und grünem Apfel und eine Fähigkeit zu reifen, die man weißen Rebsorten selten zutraut.

Am seltsamsten bleibt Carcavelos. Sein Gesetz erlaubt bis zu neun verschiedene Sorten in einem einzigen Wein: bei den Roten vor allem Castelão und den kaum bekannten Preto Martinho, bei den Weißen Galego Dourado, Ratinho und wieder Arinto. Diese Vielfalt war früher Alltag an der ganzen Küste. Heute überlebt sie fast nur noch in diesem einen Süßwein.

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