
Basalt & Poios
Böden
Grab an einem Steilhang oberhalb von Câmara de Lobos ein kurzes Stück in die Erde. Schon nach wenigen Handbreit triffst du auf dunkles, hartes Gestein. Madeira ist ein erloschener Vulkan, der vor Jahrmillionen aus dem Meeresboden aufstieg, und praktisch der gesamte Untergrund besteht bis heute aus Basalt, schwarzem, eisenreichem Lavastein.
Verwittert dieser Basalt, entsteht ein roter bis dunkelbrauner Boden, reich an Eisen und Magnesium, arm dagegen an Kalium und mit einer gewissen Säure im Boden selbst, die zur Säure im späteren Wein passt. Wurzeln finden zwischen den zerbrochenen Gesteinsplatten kaum Platz und wenig Nährstoff. Sie treiben deshalb tief und liefern kleine, konzentrierte Beeren.
Die Hänge sind steil. Oft geht es mit mehr als fünfundzwanzig Prozent Neigung bergauf, sodass Weinbau ohne Terrassen hier schlicht unmöglich wäre. Über Jahrhunderte schichteten Generationen von Bauern Basaltsteine zu niedrigen Mauern und füllten dahinter Erde ein – die Poios. Manche sind kaum breiter als zwei Rebzeilen, mit Treppen aus demselben Stein verbunden, von Hand bewirtschaftet, weil kein Traktor dort hinaufkommt.
Auch hier hält sich ein Mythos: Ein Wein schmecke nach seinem Gestein. Das stimmt so nicht. Was die Wurzel aufnimmt, sind gelöste Salze in derart winziger Menge, dass niemand sie herausschmecken kann. Der Basalt wirkt stattdessen über einen Umweg. Er speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts wieder ab, er lässt Wasser schnell abfließen, und er zwingt die Wurzel in die Tiefe. Dieser Umweg reicht, um aus derselben Rebe an zwei benachbarten Poios spürbar unterschiedliche Weine zu machen.
Verwitterter Basalt, rotbraun durch Eisenoxid gefärbt, dünn und locker aufliegend.
Die Wurzel: Die Feinwurzeln holen hier, was der Regen gerade bringt, und sind nach ein paar trockenen Tagen die ersten, die leiden.