
Am Moscatel entlang
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Halt ein Glas Moscatel de Setúbal gegen eine helle Fläche. Ein junger, fünfjähriger Wein leuchtet goldgelb mit einem Hauch Grün am Rand. Ein zwanzigjähriger dagegen zeigt tiefes Bernstein, fast Mahagoni, ohne jede grüne Note mehr. Farbe allein verrät hier schon, wie viele Jahre im Fass hinter dem Wein liegen.
Riech zuerst, ohne zu schwenken. In der Nase kommt bei jungen Jahrgängen sofort Orangenblüte, dazu etwas Rosine und ein Hauch Honig. Das sind die typischen Aromen der Moscatel Graúdo, die kaum eine andere Rebsorte so unverwechselbar zeigt. Schwenke jetzt, und warte einen Moment.
Bei einem alten Moscatel verändert sich das Bild vollständig. Karamell, geröstete Nuss, getrocknete Feige und ein Hauch Tabak treten an die Stelle der Orangenblüte, und Fachleute nennen diesen langsam oxidativen Charakter rancio — dasselbe Wort, das man auch bei sehr altem Sherry verwendet, entstanden durch jahrzehntelangen, kontrollierten Kontakt mit Luft im Holzfass.
Im Mund achte auf das Gleichgewicht zwischen Süße und Säure. Ein guter Moscatel schmeckt nie nur süß. Er wird von einer Säure getragen, die den Zucker nicht überdeckt, sondern zusammenhält — fehlt sie, wirkt der Wein klebrig und ermüdet schon nach dem zweiten Schluck. Genau diese Säure hält manche Flaschen vierzig Jahre und länger frisch.
Zum Vergleich lohnt sich ein Glas Castelão aus Palmela daneben. Wo der Moscatel golden und süß bleibt, zeigt der Castelão sattes Kirschrot, straffes Tannin und reife, dunkle Frucht — von derselben Halbinsel, aus demselben Klima, aber mit nichts gemeinsam außer der Herkunft.