Region & Geschichte in der Region Tejo

Vom Fluss geprägt

Region & Geschichte

Der Fluss gab der Region ihren zweiten Namen, und lange war er der einzige. Ribatejo heißt wörtlich Ufer des Tejo. Auf den breiten Ebenen zu beiden Seiten des Flusses wachsen Reben seit der Antike, und schon römische Aufzeichnungen erwähnen Wein aus dieser Gegend. Chroniken aus dem vierzehnten und fünfzehnten Jahrhundert berichten von portugiesischen Königen. Sie hätten den heimischen Wein so geschätzt, dass sie zeitweise die Einfuhr von Wein aus anderen Landstrichen untersagten. Ob jedes Detail dieser Geschichte stimmt, weiß niemand mehr genau. Früh geschätzt wurde der Tejo trotzdem.

Weinland wurde die Ebene erst spät im eigentlichen Sinn. Man nannte die Gegend die Kornkammer Portugals, weil ihre Böden Getreide, Gemüse und Vieh in Mengen trugen, von denen andere Landstriche nur träumen konnten. In der Lezíria, den weiten Uferwiesen des Tejo, weiden bis heute Rinder und Kampfstiere. Berittene Campinos in roter Weste und grüner Mütze treiben sie noch immer zusammen, genau wie vor hundert Jahren. Wein blieb daneben lange ein Nebenprodukt. Riesige Kellereien pressten, was die fruchtbare Ebene an Trauben hergab, meist zu einfachem, hellem Weißwein in großen Mengen.

Bis 2009 hieß die Region offiziell Ribatejo. Dann wählte man den kürzeren Namen des Flusses selbst, Tejo, um dem Wein international mehr Gewicht zu geben. Ribatejo kannte im Ausland kaum jemand, während der Tejo als Fluss durch Lissabon sofort ein Bild im Kopf erzeugt. Die Herkunftsbezeichnung DOC do Tejo blieb dabei die strengere Stufe für die besten, klar abgegrenzten Lagen, während Vinho Regional Tejo die ganze, deutlich größere Anbaufläche abdeckt. Geografisch liegt die Region klar dazwischen. Im Westen grenzt die atlantisch geprägte Lisboa mit Bucelas und Colares an, im Süden, jenseits des Flusses, das weit größere Alentejo. Der Tejo selbst ist Grenze und Mitte in einem.

Der eigentliche Umbruch kam erst spät, in den Neunzigerjahren. Bis dahin lieferten die meisten Winzer ihre Trauben an riesige Genossenschaftskellereien, und Menge zählte mehr als Herkunft oder Rebsorte. Erst als einzelne Quintas begannen, ihren Wein selbst abzufüllen, statt die Ernte nur an die Kooperative zu verkaufen, änderte sich das Bild spürbar. Alte Sorten wie Castelão oder Fernão Pires, die man lange nur für Masse hielt, zeigten plötzlich, was in ihnen steckt, sobald jemand niedrige Erträge und sortenreinen Ausbau ernst nimmt. Aus dem Ruf als Portugals billigem Hinterhof wurde langsam der Ruf einer Region mit eigenem Gesicht.

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