
An einem Alvarinho
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Nimm einen Alvarinho aus Monção und Melgaço und halte das Glas gegen etwas Helles: Die Farbe ist blassgelb mit einem grünlichen Schimmer, fast wie unreifer Apfelsaft. Bei den einfachen Verschnitten aus Loureiro und Arinto fällt sie noch heller aus, fast wasserklar. Diese Blässe ist bei einem Wein, der binnen Monaten getrunken werden soll, kein Fehler.
Schau genau hin, bevor du riechst: An der Glaswand kleben winzige Bläschen, die Agulha, und sie steigen unregelmäßig auf, deutlich zaghafter als bei einem Sekt. Viel weniger Kohlensäure steckt im Wein als in einem echten Schaumwein - genug für ein leichtes Kribbeln auf der Zunge, nicht für Schaum im Glas.
Riech zuerst im ruhigen Glas, dann nach dem Schwenken. Zuerst kommt Zitrus, oft Limette oder Grapefruit. Dazu kommt bei Loureiro ein deutlicher Zug nach Orangenblüte, der der Sorte ihren Namen gab, und nach dem Schwenken folgt bei einem reifen Alvarinho eine Note von Pfirsich, manchmal fast Aprikose. Darunter liegt ein salziger Hauch, den viele mit der Nähe zum Atlantik erklären.
Im Mund achte auf zwei Dinge getrennt. Die Säure zieht seitlich an der Zunge. Sie lässt den Speichel fließen. Der Alkohol liegt selten über elf Prozent und lässt den Wein leicht statt schwer wirken. Beides zusammen macht diesen Wein zu einem der erfrischendsten Weißweine Europas. Eine hohe Säure allein wirkt scharf, aber ohne das Gewicht von viel Alkohol bleibt sie einfach nur belebend.
Der Abgang ist kurz, selten länger als zehn Sekunden - und das ist gewollt. Dieser Wein will schnell wieder ein neues Glas verlangen, nicht lange nachhallen. Wer danach noch einen roten Vinhão probiert, merkt den Unterschied sofort: tintig dunkle Farbe, beißende Säure, ein Tannin, das die Zunge trocken zurücklässt. Das ist ein Wein für Rojões und Bohneneintopf, nicht für den zurückhaltenden Schluck zwischendurch.