
Cernoziom & marnă
Böden
Grab in einem Weinberg bei Cotnari ein Loch. Du triffst zuerst auf dunkle, krümelige Erde. Das ist Cernoziom, in Rumänien einfach schwarze Erde genannt, einer der fruchtbarsten Böden der Welt, hier auf den Hochplateaus allerdings ausgelaugt, weil Regen den Kalk längst aus den oberen Schichten gespült hat.
Seine Geschichte reicht Millionen Jahre zurück. Einst lag hier ein Binnenmeer. Aus dessen Ablagerungen aus dem Sarmatium, einem Abschnitt des Jungtertiärs, entstanden die Mergel, Sande und Tone, auf denen die heutige Erde liegt. Wo Bäche die Hänge freigelegt haben, blitzen dünne Sandsteinbänder zwischen den weicheren Schichten hervor.
Die Weinberge liegen am Ostabhang eines langgezogenen Höhenzugs. Man nennt ihn Dealul Mare-Hârlău, mit Hochflächen zwischen 350 und 500 Metern. Weiter westlich, auf den höchsten Kuppen, wird der Boden heller und grauer, denn dort dominiert grauer Waldboden statt Schwarzerde, ärmer an Humus, aber gut durchlässig.
Für die Rebe macht dieser Wechsel den Unterschied. Auf dem tiefgründigen Cernoziom speichert der Boden Wasser wie ein Schwamm, und die Wurzel muss im August nicht tief suchen. Sobald sie aber die tonig-mergelige Schicht darunter erreicht, wird die Versorgung knapper, was den Ertrag natürlich bremst, ohne dass jemand eingreifen müsste. Genau das braucht eine Traube, die später konzentriert und edelfaul geerntet werden soll.
Ein Irrglaube hält sich hartnäckig, auch hier. Der Boden schmecke angeblich im Glas mit, weil die Wurzel Mineralien direkt aufnimmt und weiterreicht. Das stimmt so nicht: Was ankommt, sind gelöste Nährstoffe in winzigen Mengen, viel zu wenig für einen echten Geschmack. Der Cernoziom wirkt stattdessen über einen Umweg: über Wasserspeicherung, Wärme und darüber, wie tief er die Wurzel zwingt zu wachsen. Genau dieser Umweg entscheidet am Ende über Zucker, Säure und darüber, wie konzentriert eine Beere ist, wenn die Edelfäule beginnt.
Dunkle, humusreiche Schwarzerde, auf den Hochplateaus vom Regen ausgelaugt und daher kalkärmer als typischer Cernoziom.
Die Wurzel: Hier liegen die meisten Feinwurzeln. Wasser und Nährstoffe sind reichlich da, solange der Sommer nicht zu trocken wird.