Gläser in der Region Cotnari

Klein, tulpig, eng

Gläser

Wer Cotnari zum ersten Mal einschenkt, greift oft zum falschen Glas. Ein großer, bauchiger Kelch wirkt großzügig. Doch er verschwendet ein Aroma, das ohnehin schon konzentriert ist und in einem weiten Glas einfach verfliegt, bevor man richtig hinriechen und die Aromen erkennen kann.

Ein enges, tulpenförmiges Glas mit kurzem Stiel bündelt die feinen Düfte, bevor sie die Nase erreichen. Honig, getrocknete Aprikose, kandierte Schale, ein Hauch Akazienblüte: Die schmale Öffnung hält diese Schicht förmlich zusammen, statt sie über eine breite Fläche zu verteilen. Gefüllt wird nur ein kleiner Schluck. Selten sind es mehr als fünf Zentiliter. Bei etwa dreizehn Volumenprozent Alkohol und über zweihundertsechzig Gramm Zucker pro Liter reicht das völlig.

Die trockenen Geschwister aus Cotnari brauchen ein anderes Gefäß. Eine trocken ausgebaute Fetească Albă oder Frâncușă schmeckt in einem etwas weiteren Weißweinglas besser, weil sich die zarteren Apfel- und Heunoten sonst kaum entfalten. Zu eng gefasst, wirkt so ein Wein plötzlich stumm.

Die Temperatur entscheidet mindestens genauso viel wie die Form. Zu kalt serviert, verstecken sich Honig und Aprikose komplett hinter der Kühle, und der Wein schmeckt nur noch süß und sonst nichts. Acht bis zehn Grad gelten unter Kennern als guter Richtwert für die edelfaulen Weine aus Cotnari. Kühlschrankkalt ist eindeutig zu kalt.

Die Säure der Grasă de Cotnari hält den Wein trotz seiner Süße angenehm frisch im Mund. Das gelingt aber nur, wenn das Glas ihr Raum lässt. Ein zu enges, nach innen gebogenes Glas drückt Alkohol und Süße nach vorn und lässt die Säure untergehen. Die Grundregel bleibt deshalb schlank in der Form, aber nicht zu eng am Rand, damit Süße, Säure und Aroma im Gleichgewicht ankommen.

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