
Neutral trifft dicht
Gläser
Chasselas gilt gemeinhin als der zurückhaltendste aller Weißweine, und genau das macht die Wahl des Glases heikel. Ein zu weites Glas verteilt die wenigen, feinen Duftstoffe so sehr, dass am Ende kaum etwas in der Nase ankommt. Besser passt ein schlankes, tulpenförmiges Glas mit enger Öffnung, das die zarten Noten nach Heu, weißer Blüte und manchmal ein wenig Mandel sammelt, statt sie zu verstreuen. Das klingt nach wenig, ist aber viel.
Bei der Temperatur wird am meisten falsch gemacht. Acht bis zehn Grad sind richtig, deutlich kühler als bei den meisten anderen Weißweinen, weil Chasselas bei Wärme schnell stumpf und breit wirkt. Kälte schützt die Frische. Ein Perlan mit seinem feinen, natürlichen Perlen verträgt sogar noch etwas mehr Kühle, damit die winzigen Bläschen im Glas länger aufsteigen, statt sofort zu verschwinden.
Gamaret verlangt fast das Gegenteil. Seine dichte Farbe und sein kräftiges Tannin brauchen ein bauchigeres Glas mit mehr Luft im oberen Teil, ähnlich einem Bordeauxglas, damit sich die harten Ecken im Wein etwas abrunden, bevor er die Zunge erreicht. Serviert bei sechzehn bis achtzehn Grad zeigt er dunkle Beeren und einen Hauch Pfeffer, kälter wirkt dasselbe Tannin nur trocken und rau. Das Glas hilft mit.
Garanoir, der weichere Bruder von Gamaret, verträgt dagegen ein etwas kleineres Glas, weil sein Tannin von Natur aus schon runder ist. Genau deshalb landet er in vielen Cuvées als Ausgleich neben dem strengeren Gamaret. Nicht jeder mag das. Zusammen ergeben die beiden fast immer mehr, als jeder für sich könnte.
Für Pinot Noir aus Genf reicht ein mittelgroßes Burgunderglas, nicht das riesige Modell, das man aus manchen Restaurants kennt, denn die Genfer Weine sind zart, nicht mächtig, und ein zu großes Glas macht sie im Vergleich nur dünn. Eingeschenkt wird immer nur bis zur breitesten Stelle des Kelchs. Mehr braucht es nicht. Darüber bleibt Platz für den Duft, und genau dieser Platz fehlt, wenn man randvoll eingießt.