Herstellung in der Region Genf

Blind statt Historie

Herstellung

In Bordeaux oder im Burgund entscheidet meist die Geschichte, welcher Weinberg als groß gilt, oft ein Klassement, das seit hundertfünfzig Jahren kaum angerührt wurde. In Genf funktioniert das anders. Ein Wein trägt die Bezeichnung AOC Genève nur, wenn seine Trauben eine gesetzliche Mindestreife erreichen, bei Chasselas etwas mehr als zweiundsechzig Grad Öchsle, bei Gamay knapp siebzig. Für die höhere Stufe, AOC Premier Cru, liegen die Grenzwerte spürbar höher, bei Chasselas über zweiundsiebzig Grad.

Auch die Fläche selbst muss sich qualifizieren. Ein Premier Cru braucht mindestens einen Hektar am Stück, eine Ausrichtung zwischen Nordost und Südwest, nie nach Norden, und für den Namenszusatz Côte zusätzlich mindestens zehn Prozent Hangneigung. Deshalb tragen so viele Genfer Weine einen Zusatz wie Coteau de oder Côte de vor dem eigentlichen Ortsnamen. Er ist keine Zierde. Er ist ein amtlich geprüftes Versprechen über die Lage.

Am Ende entscheidet trotzdem nicht das Papier allein. Jeder Jahrgang muss vor dem Verkauf durch eine Blindverkostung, bei der mindestens fünf geschulte Personen den Wein nach der Punkteskala der internationalen Weinorganisation OIV bewerten. Für die einfache AOC Genève reichen fünfundsiebzig von hundert Punkten. Für einen Premier Cru braucht es mindestens achtzig. Wer die Schwelle in einem schwachen Jahr verfehlt, verliert die Bezeichnung für genau diesen Jahrgang, ganz gleich, was in seiner Lage steht.

Ein Wein bündelt diese ganze Idee besonders deutlich, l'Esprit de Genève. Seit dem Jahrgang 2004 füllen ihn mittlerweile rund achtzehn Betriebe nach derselben Vorschrift ab: mindestens die Hälfte Gamay, mindestens ein Fünftel Gamaret oder Garanoir, der Rest frei. Jeder Keller stimmt die Mischung selbst ab, Gamay bringt Frucht und Frische, Gamaret Struktur, Garanoir Rundung. Trotzdem schmeckt man in jeder Flasche denselben Grundgedanken: viele Handschriften, eine gemeinsame Formel.

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