Verkosten in der Region Genf

Ohne Etikett schmecken

Verkosten

Stell zwei Gläser nebeneinander, einen Chasselas und einen Gamaret, und schon die Farbe verrät alles. Der Chasselas ist blassgelb, fast durchsichtig, mit einem Hauch Grün am Rand. Manchmal steigen darin winzige Perlen auf, ein leichtes, natürliches Prickeln, dem der alte Genfer Name Perlan seine Bedeutung verdankt. Der Gamaret dagegen wirkt fast schwarz, mit violetten Reflexen, die erst nach Jahren ins Ziegelrote wechseln.

In der Nase zeigt sich derselbe Gegensatz noch deutlicher. Chasselas duftet zurückhaltend nach Heu, grünem Apfel und manchmal ein wenig nach Mandel. Genau diese Zurückhaltung gilt vielen als seine größte Stärke, weil sie kaum etwas überdeckt und jede Nuance des Bodens durchscheinen lässt. Riech genau hin. Gamaret dagegen füllt das Glas mit dunkler Kirsche, Cassis und einer Prise schwarzem Pfeffer.

Im Mund achte auf zwei getrennte Dinge. Beim Chasselas ist es die Säure, die seitlich an der Zunge prickelt und den Wein leicht und trinkig hält, oft begleitet von jenem feinen Perlen aus der Nase. Beim Gamaret ist es das Tannin, ein rauer Belag am Zahnfleisch, den seine dicke Beerenhaut überhaupt erst möglich macht. Beides braucht Übung, um es auseinanderzuhalten. Am besten schmeckt man diesen Unterschied bei genau der Temperatur, die zur jeweiligen Sorte passt, kühl bei acht bis zehn Grad beim Chasselas, spürbar wärmer bei sechzehn Grad beim Gamaret.

Am Abgang lässt sich der Unterschied zwischen beiden am klarsten festmachen. Ein einfacher Chasselas endet oft schon nach wenigen Sekunden, kurz und sauber, ganz ohne Anspruch auf mehr. Ein guter Gamaret dagegen zieht sich, mit Frucht und Tannin im Gleichgewicht, gut zehn bis fünfzehn Sekunden hin. Keine der beiden Längen ist die bessere. Sie zeigen nur, wofür die jeweilige Sorte gemacht wurde.

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