Region & Geschichte in der Region Waadt

Mönche, Fest, Gesetz

Region & Geschichte

Im Jahr 1138 bekamen Zisterziensermönche des Klosters Hauterive das steile Land oberhalb des Genfersees geschenkt, und für Ackerbau war es zu steil, für Reben aber genau richtig. Also griffen die Mönche zu Hacke und Stein und stützten das lockere Erdreich mit flachen Mauern ab, Handbreit für Handbreit, Jahr für Jahr. So entstand das erste grosse Weinbaugebiet am See: die Terrassen von Lavaux, bis heute die grösste zusammenhängende Rebfläche der Schweiz. Wenig später kamen zwei weitere Abteien dazu, Hautcret im Jahr 1141 und Montheron ein Jahr danach. Rebbau war für diese Klöster kein Nebenerwerb.

Aus dieser Mönchsarbeit wuchs mit der Zeit ein Fest, das es so nirgendwo sonst gibt. Die Winzerbruderschaft von Vevey nennt sich Confrérie des Vignerons. Sie feiert seit 1797 öffentlich die besten Rebarbeiter des Jahres, mit Umzug, Krönung und einem Fest, das drei Wochen dauert. Wie oft das passiert, entscheidet die Bruderschaft selbst. Die Idee dahinter: einmal pro Generation. 2019 kamen rund 400.000 Besucher nach Vevey, einer Stadt mit weniger als 20.000 Einwohnern. 2016 nahm die UNESCO das Fest in ihre Liste des immateriellen Kulturerbes auf — als erste Schweizer Tradition überhaupt.

Die Landschaft selbst bekam ihre eigene Auszeichnung ein Jahrzehnt später. Am achtundzwanzigsten Juni 2007, kurz vor Mittag, erfuhren die Menschen in Lavaux, dass ihre Weinberge zum Weltkulturerbe der UNESCO gehören. Nicht als Naturschutzgebiet, sondern als eine über Jahrhunderte von Menschenhand geformte Landschaft.

Auch das Recht kam Schritt für Schritt hinterher. Schon 1949 hielt man fest, dass Dézaley eine Ausnahme ist und ganz aus dieser einen Lage stammen muss. Bei einer Reglementsrevision 2009 fiel diese Sonderstellung durch ein Versehen unter den Tisch, und Dézaley stand plötzlich da wie jede andere Lage in Lavaux. Erst 2013 stellte die Waadtländer Regierung das wieder richtig. Dézaley und das benachbarte Calamin bekamen offiziell den Rang Grand Cru zugesprochen, mit höheren Reifeanforderungen an die Trauben und einem Verbot, Weine aus verschiedenen Lagen zu mischen.

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