Rebsorten in der Region Wallis

Fendant bis Cornalin

Rebsorten

Nirgendwo in der Schweiz wachsen so viele verschiedene Trauben wie im Wallis. Über fünfzig Sorten stehen auf rund fünftausend Hektar Rebfläche, ein gutes Dutzend davon gibt es sonst nirgendwo auf der Welt. Trotzdem bestimmen vier Sorten das Bild: Pinot Noir, Chasselas, Gamay und Sylvaner bedecken zusammen fünfundachtzig Prozent der Fläche. Der Rest teilt sich auf mehr als fünfzig weitere Namen auf.

Am meisten Platz nimmt der Chasselas ein, den man im Wallis nur Fendant nennt: gut siebenhundertsechzig Hektar, meist unten im Tal. Der Name kommt vom französischen fendre, spalten, weil seine Beeren beim Zerdrücken nicht platzen, sondern zerschmelzen. Der Wein selbst ist leicht und still, kaum aromatisch. Dafür schmeckt er seinen Boden so ehrlich heraus, dass man den Weinberg fast erraten kann, mal nach nassem Stein, mal blumig.

Unter den roten Sorten führt der Pinot Noir mit über tausenddreihundert Hektar, fast doppelt so viel wie der Gamay auf knapp fünfhundert. Zusammen ergeben sie den Dôle, die traditionelle Walliser Assemblage, also den Verschnitt aus zwei Sorten. Auf Kalkböden wird daraus ein leichter, fruchtiger Wein. Auf dem Granit bei Martigny und Fully dagegen ein dichterer, mit Kirsch- und Pfingstrosenton. Zwei Reben, ein Wein.

Die eigentliche Berühmtheit unter den weissen Sorten heisst Petite Arvine, seit 1602 in Molignon bei Sitten belegt und bis heute fast nur im Wallis zu finden. Sie ergibt Weine mit Mango, Grapefruit und einem Abgang, der leicht salzig schmeckt. Diesen Effekt kann bislang niemand vollständig erklären. Erkennen tut ihn trotzdem jeder, der einmal ein Glas davon getrunken hat.

In Vétroz gehört die Amigne heute fast einer einzigen Gemeinde, auch wenn sie erstmals 1686 in Siders erwähnt wurde. Ihre Süsse zeigt das Etikett mit kleinen Bienensymbolen an, von trocken bis edelsüss. Noch eigensinniger ist der Cornalin, bis in die 1970er Jahre als Landrote oder Rouge du Pays bekannt. Er verlangt die besten, sonnigsten Lagen, reift spät, reagiert empfindlich auf Magnesiummangel und schwankt stark im Ertrag von Jahr zu Jahr.

Der Humagne Rouge ist trotz des ähnlichen Namens nicht mit der Amigne verwandt, sondern eine natürliche Kreuzung aus dem Cornalin und einer unbekannten Sorte. Im Glas duftet er nach welken Weinblättern und Holunder. Ganz oben im Tal, in Visperterminen, reift dagegen der Heida, im Unterwallis Païen genannt, bis elfhundertfünfzig Meter über Meer und damit höher als anderswo in Europa.

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