Region & Geschichte in der Region Wallis

Zehnt und Suonen

Region & Geschichte

Lange bevor die Römer kamen, wuchsen im Rhonetal schon Reben. Funde im Wallis reichen zurück bis ins achte vorchristliche Jahrhundert. Erst fünfzehn vor Christus unterwarfen römische Legionen das Tal zwischen den Alpen, und was sie mitbrachten, war weniger die Rebe selbst als das Wissen, wie man aus ihr etwas Trinkbares macht. Das Rhonetal kannte Wein schon vorher.

Die älteste schriftliche Erwähnung von Reben in der ganzen Schweiz stammt aus dem Wallis. Sie steht in einer Urkunde der Abtei Saint-Maurice, datiert auf das Jahr 516. Wenig später, 585, verlegte Bischof Heliodor seinen Sitz von Octodurus, dem heutigen Martigny, nach Sedunum, dem heutigen Sitten. Ein Einfall der Langobarden hatte ihn dazu gezwungen, und von da an lag die Macht über Tal und Weinberge lange in kirchlicher Hand.

Im Mittelalter gehörte fast jeder Rebberg einem Herrn, weltlich oder geistlich, nie dem, der ihn bearbeitete. Bauernfamilien pflanzten und ernteten. Trotzdem mussten sie jedes Jahr den Zehnten abliefern, ein Zehntel des Ertrags, ohne Verhandlung. Wasser blieb dennoch knapp, denn die Sommer im Wallis sind heiss und trocken, und der Regen bleibt an den hohen Gipfeln hängen. Ab dem dreizehnten Jahrhundert bauten die Walliser darum die Suonen, auf Französisch Bisses. Schmale Kanäle, oft kilometerlang, führten Gletscherwasser durch nackten Fels bis an die Rebhänge. Sie trieben sie von Hand in den Stein, Meter um Meter, ein Jahrhundert nach dem anderen. Zeitweise waren es mehr als eintausendachthundert Kilometer.

Der Name Dôle, heute die bekannteste Walliser Cuvée aus Pinot Noir und Gamay, taucht erstmals 1854 auf, und 1990 führte der Kanton als einer der ersten in der Schweiz überhaupt ein System kontrollierter Ursprungsbezeichnungen ein, die AOC Wallis. Seither ist geregelt, welche Traube wo wachsen darf.

Von der Kirche ist im Rebberg heute wenig übrig, von der Handarbeit dagegen alles. Über dreitausend Kilometer Trockenmauern stützen die Terrassen zwischen Martigny und dem Oberwallis, mit blossen Händen aufgeschichtet, stellenweise zwanzig Meter hoch. Weil keine Maschine in diese schmalen Parzellen passt, werden sie bis heute von Hand gepflegt. Was einst Zehnt für einen fremden Herrn war, ist heute Arbeit für den eigenen Namen auf dem Etikett.

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