
Opoka in Schichten
Böden
Grab in einem Weinberg bei Šmartno ein Loch. Nach kaum fünfzehn Zentimetern stößt die Schaufel auf Platten aus grauem Mergel und gelbem Sandstein, fein geschichtet wie die Seiten eines aufgeschlagenen Buchs. Die Menschen in Brda nennen diesen Stein Opoka. Auf der anderen Seite der Grenze, keine zehn Kilometer entfernt, heißt exakt dasselbe Gestein Ponca.
Beide Namen meinen denselben Meeresboden. Vor rund vierzig Millionen Jahren rutschten hier Sedimentströme einen untermeerischen Hang hinab und lagerten sich in dünnen Bändern ab, mal feiner Ton, mal gröberer Sand. Die Alpenfaltung hob das Ganze später aus dem Wasser, und die Verwitterung bricht die Schichten seither wieder auseinander. Was heute als Hügelkette über Brda liegt, war einmal Schlamm auf dem Grund eines warmen Meeres.
Für die Rebe ist das ein Segen mit Bedingungen. Wasser und Luft ziehen leicht zwischen den losen Platten durch. Die Wurzel folgt ihnen in die Tiefe, weil sie an Nährstoffen kaum etwas findet. Dabei nimmt sie unterwegs Kalium und Phosphor auf, die in der verwitterten Opoka reichlich stecken. Genau das erklärt, warum Rebula von diesem Boden so mineralisch und salzig schmeckt und nie schwer wirkt, so viel Alkohol auch im Glas steckt.
Tiefer wird der Stein fester. Was oben in dünne Platten zerfällt, liegt siebzig Zentimeter weiter unten noch als kompakte Bank, kaum verwittert und deutlich feuchter als die trockene Oberfläche im August. Nur alte Stöcke mit tief reichenden Wurzeln erreichen diesen Vorrat, und ihre Trauben halten die Trockenheit besser aus als die junger Anlagen.
Ein Irrtum hält sich hartnäckig: dass ein Wein nach Stein schmecke, weil die Wurzel Mineralien direkt aus dem Gestein sauge und weiterreiche. Das stimmt so nicht. Was aus dem Boden ankommt, sind gelöste Salze in Mengen, die niemand herausschmecken kann. Die Opoka wirkt über einen Umweg: über das Wasser, das sie hält oder abgibt, und über die Tiefe, in die sie die Wurzel zwingt.
Dünne dunkle Auflage aus Laub und Gräsern. Auf den steilen Terrassen von Brda hält sie sich kaum, jeder starke Regen trägt etwas davon hangabwärts.
Die Wurzel: Die Feinwurzeln sitzen hier und trinken zuerst — und sind nach wenigen trockenen Tagen bereits erschöpft.