
Geteilte Hügel
Region & Geschichte
Ein Traubenkern aus der jüngeren Eisenzeit lag schon dreihundert Jahre vor Christus im Boden von Golo Brdo, einem Dorf mitten in den Hügeln von Brda. Wein wuchs hier also lange vor den Römern. Die kamen trotzdem und blieben. In einer Römervilla bei Neblo fanden Archäologen Reste einer Werkstatt, in der man Amphoren für den eigenen Wein brannte, und die Reben wurden damals noch an lebenden Bäumen hochgezogen, eine Erziehungsform, die sich fast zweitausend Jahre hielt.
Der Name der wichtigsten Rebe taucht zum ersten Mal 1336 auf, in einem Kaufvertrag aus dem Dorf Višnjevik: Rebula. Jahrhundertelang gehörte das Land der Republik Venedig oder den Habsburgern, und die ummauerten Dörfer mit ihren Wehrtürmen erzählen noch heute von Überfällen aus beiden Richtungen. Dann kam die Reblaus. Um 1870 starben die alten Weinberge fast vollständig ab, und ein katalanischer Graf namens Silverio De Baguer pflanzte 1881 als Erster wieder Reben, nicht mehr an Bäumen, sondern in geraden Reihen ohne lebende Stütze. Die alte Erziehungsform war damit Geschichte.
Nach dem Ersten Weltkrieg gehörte Brda zu Italien. 1922 kauften achtunddreißig Weinbauern gemeinsam zweihundertdreißig Hektar Land von ihrem Grundherrn — die erste Genossenschaft der Gegend. Dann kam der nächste Bruch. Er war brutaler als der erste. Der Pariser Friedensvertrag von 1947 zog die neue Staatsgrenze quer durch das einstige Weinbaugebiet. Die Stadt Görz blieb bei Italien, die Hügel von Brda mit ihren Weinbergen fielen an das kommunistische Jugoslawien. Wer bis dahin zum Markt in die Stadt gefahren war, hatte plötzlich keine Stadt mehr. Jugoslawien baute sich mit Nova Gorica gleich nebenan eine komplett neue.
Die Antwort der Winzer war wieder eine Genossenschaft. 1957 nahm der neue Weinkeller in Dobrovo seine erste Ernte an, und aus ihr wurde Klet Brda, heute die größte Kellerei Sloweniens, in der rund vierhundert Familien ihre Trauben abliefern. 2006 bekam Goriška Brda den EU-Schutzstatus als geschütztes Herkunftsgebiet. Ausgerechnet die Grenze, die einst Familien trennte, verschwand für die Winzer selbst fast: In Ceglo bewirtschaftet das Weingut Movia Reben auf beiden Seiten der Staatsgrenze. Movia besteht seit 1700 und gehört seit 1820 der Familie Kristančič, als hätte es die Grenze nie gegeben.