Region & Geschichte in der Region Bierzo

Médulas & Corullón

Region & Geschichte

Südlich von Ponferrada klaffen rote Felstürme in der Landschaft, wie aus einem Berg herausgebissen. Genau das waren sie. Ab dem ersten Jahrhundert leiteten die Römer Wasser über ein Netz aus Kanälen auf die Hänge und wuschen so das Gold aus dem Gestein — Las Médulas wurde zum größten Tagebau des ganzen Römischen Reichs. Nebenan pflanzten dieselben Siedler Reben. Schon der Schriftsteller Plinius der Ältere erwähnte Weinberge in dieser Gegend. Als das Gold ausging, blieb der Wein.

Fast tausend Jahre später gab der Glaube den nächsten Grund zu pflanzen. Das Kloster Carracedo, um 990 gegründet und ab 1203 zisterziensisch geführt, verwaltete Weinberge von Galicien bis León und versorgte Mönche wie Pilger. Durch Villafranca del Bierzo zogen jene, die auf dem Camino de Santiago die letzten, härtesten Berge vor Galicien noch vor sich hatten. Der Ort trägt bis heute den Beinamen kleine Compostela. Wer zu krank zum Weitergehen war, durfte hier durch die Puerta del Perdón schreiten und bekam denselben Ablass wie am eigentlichen Ziel.

Dann kam die Reblaus, und der Einbruch fiel brutal aus. Um 1889 standen im Bierzo noch gut sechstausend Hektar Reben. Zwei Jahrzehnte später, nach der mühsamen Wiederbepflanzung auf amerikanischen Unterlagen, war davon nur noch etwa ein Fünftel übrig. Ganze Dörfer wanderten aus. Was blieb, verkauften Genossenschaften ab den Sechzigerjahren meist als namenlose Fassware an Händler, die den Wein anderswo unter fremdem Namen abfüllten. Erst am elften November 1989 bekam die Region ihre eigene Denominación de Origen mit Sitz in Cacabelos, und damit hatte sie überhaupt erst das Recht, den eigenen Namen aufs Etikett zu schreiben.

Zu spüren war davon lange wenig. Der eigentliche Bruch kam erst 1999. Der Riojaner Álvaro Palacios gründete mit seinem Neffen Ricardo Pérez Palacios in einem alten Steinkeller in Villafranca del Bierzo die Bodega Descendientes de J. Palacios. Beide suchten in Corullón nach uralten Mencía-Stöcken auf Schieferhängen, die kaum jemand mehr wollte, weil der Ertrag zu gering war. Aus diesen mageren Parzellen entstanden keine Massenweine, sondern dichte, teure Flaschen, die Kritiker bald mit großen Lagen Burgunds verglichen.

Diese neue Wertschätzung bekam 2020 ein eigenes Regelwerk. Die DO Bierzo führte als erste spanische Herkunftsbezeichnung überhaupt eine Einteilung nach Gemeinde, Lage und Einzelparzelle ein: Vino de Villa, Vino de Paraje, Viña Clasificada, unverhohlen an Burgund und dem Piemont orientiert. Wer heute eine Flasche mit dem Namen Corullón statt nur Bierzo kauft, kauft damit einen einzelnen Ort und keine ganze Region mehr.

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