
Mencía & Godello
Rebsorten
Siebzig Prozent der bestockten Fläche im Bierzo tragen nur eine einzige Rebe: Mencía. Lange hielt sich die Legende, sie sei mit Cabernet Franc verwandt, den französische Pilger einst über den Jakobsweg mitgebracht hätten. DNA-Analysen der Universidad Politécnica de Madrid räumten damit auf: Genetisch ist Mencía identisch mit der portugiesischen Rebe Jaén aus dem Dão, mit Cabernet Franc hat sie nichts zu tun. Die Rebe ist ein eigenständiges Gewächs der nordwestlichen Iberischen Halbinsel.
Wo sie wächst, macht den Unterschied. Auf den steilen Schieferhängen um Corullón bringt Mencía kleine, dickschalige Beeren mit viel Farbe und festem Tannin. Unten in der breiten Flussebene wachsen dagegen lockerere, hellere Trauben mit weniger Biss. Zwischen beiden Extremen liegt praktisch die ganze Bandbreite der Region. Derselbe Name steht auf dem Etikett, aber im Glas landen zwei ziemlich verschiedene Weine, je nachdem, wie hoch und wie steil der Weinberg lag.
Neben Mencía stehen ein paar Nebendarsteller, die fast niemand kennt. Garnacha Tintorera färbt sogar das Fruchtfleisch rot statt nur die Schale und diente früher vor allem dazu, dünnen Massenwein kräftiger aussehen zu lassen. Estaladiña und Merenzao wachsen dagegen nur noch auf wenigen Hektar, fast vergessen. Einzelne Winzer erhalten sie heute bewusst, weil sie dem Wein eine Würze geben, die Mencía allein nicht liefert.
Bei den weißen Sorten steht Godello im Vordergrund, heute rund siebzehn Prozent der Fläche. Nach der Reblaus wäre die Sorte fast verschwunden. In den Siebzigerjahren gab es im benachbarten Valdeorras nur noch ein paar hundert Stöcke, bis das Rettungsprogramm ReViVal, das die Agraringenieure Horacio Fernández und Luis Hidalgo 1976 starteten, gezielt nach alten, verstreuten Godello-Reben suchte und sie neu vermehrte. Ohne dieses Programm gäbe es die aromatischen Godello-Weißweine des Bierzo heute schlicht nicht.
Den Rest der weißen Palette teilen sich drei Außenseiter. Doña Blanca, auch Moza Fresca oder Malvasía del Bierzo genannt, treibt spät aus und bringt schlanke, herbe Weine mit kurzem Abgang. Palomino, sonst vor allem aus dem Sherry bekannt, lieferte hier jahrzehntelang neutralen Fassweißwein für den Alltag. Malvasía macht kaum ein Zehntel Prozent der Fläche aus. Wo sie mitgärt, gibt sie einen blumigen Ton dazu, den keine der anderen Sorten hat.