
Atlantik trifft Meseta
Klima
Rundherum stehen Berge, und genau das macht das Bierzo besonders. Im Westen und Norden riegelt die Sierra de los Ancares die feuchten Atlantikwinde ab. Im Süden tun es die Montes Aquilianos gegen die schroffe kastilische Meseta. Dazwischen liegt eine Senke, fast ein Kessel. Darin hält sich ein mildes Klima, das weder das nasse Galicien noch die trockene Hochebene daneben so kennt.
Die Zahlen bestätigen das. Im Jahresmittel liegen die Temperaturen bei rund zwölf Grad. Der Niederschlag schwankt zwischen siebenhundert und knapp achthundert Millimetern im Jahr, deutlich mehr als in Kastilien und deutlich weniger als an der galicischen Küste. Meteorologen ordnen das Bierzo dem mediterranen Klima mit milden Sommern zu, nicht dem atlantischen und nicht dem kontinentalen.
Wie genau diese Grenze verläuft, zeigt sich am besten in den Bergtälern westlich von Corullón. Dort, in den Tälern von Ancares, Burbia und Cúa, liegt die Scheidelinie zwischen der eurosibirischen und der mediterranen Klimazone bei etwa tausend Metern Höhe. Beide Wettersysteme treffen dort aufeinander. Deshalb wachsen Birken und uralte Eichen neben Steineichen und Erdbeerbäumen, die sonst nur im warmen Süden stehen.
Für die Rebe heißt das vor allem eines: genug Wärme, um Mencía richtig ausreifen zu lassen, aber nie so viel Hitze wie auf der Meseta, wo die Säure schon im August verschwindet. Die Weinberge liegen zwischen vierhundertfünfzig und neunhundert Metern über dem Meer. Mit jedem Höhenmeter bleibt der Rebe mehr von jener Frische, die einen Bierzo-Mencía von einem schwereren Wein aus dem Landesinneren unterscheidet.
Innerhalb der Region macht das noch einmal einen eigenen Unterschied. Oben bei Corullón, im sogenannten Bierzo Alto, kühlen Höhe und Steilhang die Nächte spürbar herunter. Unten im flachen Bierzo Bajo um Camponaraya dagegen steht die Luft länger warm, und der Boden speichert mehr Wärme. Zwei Landschaften, eine Denominación — und ziemlich unterschiedliche Weine, je nachdem, auf welcher Seite die Trauben wuchsen.