
Pizarra & Cascajo
Böden
Die Terrassen um Corullón klettern in schmalen Bändern einen schroffen Hang hinauf, grau und schartig wie eine verwitterte Mauer. Wer eine Handvoll von diesem Boden aufhebt, hält kaum Erde in der Hand, sondern dünne, scharfkantige Platten, blaugrau und brüchig wie zersplittertes Dachmaterial. Das ist Pizarra, Schiefer. Er liegt hier nicht in einer einzelnen Schicht, sondern lose gestapelt, mit kaum Feinerde dazwischen.
Diese Steine sind uralt. Das ganze Bierzo liegt in einer Senke, die Geologen die Hoya Berciana nennen. Ihr Rand besteht aus Gestein aus der Zeit vor dem Karbon, vor allem Luarca-Schiefer und armorikanischer Quarzit, beide mehr als vierhundert Millionen Jahre alt. Das Innere der Senke dagegen füllten viel jüngere, weichere Ablagerungen aus dem Tertiär und Quartär auf. Wer im Bierzo gräbt, gräbt sich durch zwei völlig verschiedene Erdzeitalter.
Wer stattdessen unten im flachen Bierzo Bajo gräbt, findet etwas anderes: gerundete Quarzit-Kiesel, von Flüssen über Jahrtausende geschliffen und in Terrassen abgelegt. Man nennt diesen Boden Cascajo. Er speichert mehr Wasser als der Schiefer oben am Hang, wärmt sich schneller auf und trug lange vor allem Palomino und Garnacha Tintorera für den einfachen Alltagswein.
Auf dem Schiefer dagegen hat es die Wurzel schwer, und genau das zahlt sich aus. Sie drückt sich zwischen die Platten, findet kaum Nährstoffe und treibt stattdessen tief — mit dem Ergebnis kleiner, dickschaliger Beeren voller Farbe und Tannin. Die Hänge um Corullón sind zudem so steil, dass streckenweise kein Traktor hinaufkommt. Geerntet wird von Hand, transportiert stellenweise noch mit dem Maultier, wie vor hundert Jahren.
Genau dieser karge, unbequeme Boden macht heute den Ruf der Region. Die Einzellagen-Weine von Corullón, aus reinem Schiefer und uralten Stöcken gekeltert, zählen zu den teuersten Mencías Spaniens. Ein Gestein, das keinem Bauern je einen guten Weizenacker geliefert hätte, ist zum wertvollsten Boden des Bierzo geworden.
Dünne, dunkle Auflage aus Sand und verrottetem Laub, durchsetzt mit kleinen Schieferbrocken. Arm an Nährstoffen, wie fast alle Böden im Bierzo.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, doch nach ein paar trockenen Sommerwochen finden sie fast nichts mehr.