
Poniente & Levante
Klima
Zwei Winde bestimmen im Marco de Jerez fast jeden Tag. Der Poniente kommt feucht vom Atlantik her, kühlt die Nachmittage und hält die Luftfeuchtigkeit hoch — genau das braucht die Hefe, die später Fino und Manzanilla trägt. Sein Gegenspieler, der Levante, weht trocken und heiß aus dem Osten und kann tagelang durchhalten, ohne nachzulassen.
Insgesamt scheint hier die Sonne rund dreitausend Stunden im Jahr, mehr als fast überall sonst in Spanien. Zugleich fällt der Regen fast ausschließlich zwischen Oktober und April. Rund um Jerez de la Frontera, El Puerto de Santa María und Sanlúcar de Barrameda kommen im Schnitt etwa sechshundert Millimeter im Jahr zusammen. Fast nichts davon fällt im Sommer.
Vier bis fünf Monate lang bekommt der Weinberg praktisch keinen Tropfen. Trotzdem stehen die Reben grün da, weil der Boden darunter den Winterregen wie ein Schwamm gespeichert hat. Dazu gleich mehr. Ohne diesen Vorrat würde die Rebe im August verdursten, lange bevor die Trauben reif sind.
Die Hitze selbst ist gemäßigter, als man erwarten würde, denn der Atlantik ist nie weit. Wo andere Regionen über den Wechsel von Tag und Nacht kühlen, kühlt hier eher der Wind, fast unabhängig von der Uhrzeit: Ein Levante-Tag im August fühlt sich an wie ein Föhn, ein Poniente-Tag wie eine Meeresbrise, egal ob mittags oder um Mitternacht.
Für die Bodegas ist der Levante das eigentliche Risiko, nicht die Hitze der Trauben. Hält er tagelang an, trocknet er die schützende Hefeschicht auf dem Wein in den Fässern regelrecht aus. Klimaforscher warnen, solche langen Levante-Phasen könnten künftig häufiger werden. Für einen Wein, dessen Charakter von einer lebenden, feuchtigkeitsbedürftigen Hefe abhängt, ist das keine kleine Sorge.