
Riesen und Reblaus
Region & Geschichte
Schon die Römer pflanzten hier Reben. Ausgrabungen aus dem zwölften Jahrhundert zeigen, dass der Weinbau auf der Hochebene südlich von Toledo seither nie wirklich aufhörte. Trotzdem dauerte es bis in den September 1932, ehe der Name La Mancha erstmals amtlich als Herkunftsbezeichnung in der Gaceta de Madrid erschien. Das war im selben Jahr wie bei Rioja. Damit zählt sie zu den ältesten geschützten Weingebieten Spaniens überhaupt.
Lange hielt der neue Status nicht. Bürgerkrieg und Nachkriegszeit legten das Projekt praktisch still, und erst 1973 bekam die Region einen eigenen Consejo Regulador, ihre Regulierungsbehörde. Drei Jahre später, 1976, genehmigte eine Ministerialorder das erste vollständige Regelwerk. Was 1932 nur ein Eintrag im Amtsblatt war, wurde erst damals zu etwas, das man auf eine Flasche drucken konnte.
Berühmter als jede Verordnung ist ohnehin eine andere Urkunde: Miguel de Cervantes' Roman über Don Quijote. Schon 1575 verzeichneten die Relaciones Topográficas Felipes II. die Windmühlen auf dem Hügelkamm von Campo de Criptana, und genau diese Mühlen lieferten Cervantes das Bild für Don Quijotes Kampf gegen vermeintliche Riesen. El Toboso, Heimat der erfundenen Dulcinea, und Puerto Lápice, wo der Ritter seine erste Nacht als Ritter verbrachte, liegen beide mitten in der heutigen Anbauzone. Ein Weingebiet mit einer Romanfigur als ältestem Aushängeschild — das findet man selten.
Den eigentlichen Boom brachte ein Schädling. Als die Reblaus ab den 1860er-Jahren die Weinberge Frankreichs vernichtete, hielten die trockenen, sandig-kalkigen Böden La Manchas dem Befall länger stand als die meisten anderen. Tomelloso wandelte sich binnen weniger Jahrzehnte vom Getreidedorf zur Weinbau-Monokultur. Brauchbare Straßen gab es kaum, also gruben die Bewohner ihre Keller gleich unter die Häuser: von Hand, bis zu zwölf Meter tief in den Fels, für Tausende Tonkrüge namens Tinajas. Über zweitausend solcher Höhlenkeller liegen bis heute unter der Stadt.
Aus dieser Not wurde später Größe. 1961 gründeten Winzer in Tomelloso die Cooperativa Virgen de las Viñas, heute mit rund zweitausend Mitgliedern und weit über hundert Millionen Litern Jahresproduktion die größte Weinkooperative Europas. Windmühle und Kellergenossenschaft trennen vierhundert Jahre, und doch erzählen beide dieselbe Geschichte: eine karge Ebene, auf der Menschen aus wenig sehr viel gemacht haben.