
Kälte, Hitze, Trockenheit
Klima
Wer die Meseta, die Hochebene südlich von Toledo, von Norden nach Süden durchquert, steigt ganz allmählich. Am nördlichen Rand der Zone liegt man bei 484 Metern über dem Meer, im Zentrum der Ebene bei 700, bei Manzanares sinkt es wieder auf 645. Die meisten Weinberge stehen zwischen 600 und 800 Metern Höhe — auf einer Fläche, die von unten wirkt, als gäbe es dort überhaupt keine Berge.
Diese Höhe trifft auf ein gnadenlos trockenes Klima. Zwischen 300 und 350 Millimeter Regen fallen hier im Jahr, dazu über dreitausend Sonnenstunden. Pilzkrankheiten haben es unter diesen Bedingungen schwer. Dafür klettert das Quecksilber im Sommer auf bis zu 45 Grad, und die Winter können auf minus 15 Grad fallen.
Innerhalb eines einzigen Tages ist der Unterschied noch dramatischer. La Mancha gehört zu den Regionen mit dem größten Temperatursturz zwischen Tag und Nacht auf der ganzen iberischen Halbinsel. Tagsüber baut die Beere unter praller Sonne Zucker auf, nachts fällt die Temperatur stark ab und rettet, was an Säure sonst längst verkocht wäre. Ohne diesen nächtlichen Sturz schmeckten die Weine flach.
Auf so trockenem Boden trägt eine Rebe naturgemäß wenig. Die Vorschrift erlaubt bei den traditionellen, freistehenden Buschreben, dem vaso, höchstens zehntausend Kilogramm Trauben je Hektar, an Drahtrahmen etwas mehr: dreizehntausend Kilo. Diese niedrigen Erträge sind kein Zugeständnis an die Qualität, sondern schlicht das, was die Ebene ohne künstliche Bewässerung hergibt.
Am Ende steht in fast jedem Jahr genug Sonne für reife, kräftige Weine. Die Denominación selbst nennt einen typischen Alkoholgehalt zwischen elf und vierzehn Prozent, in heißen Jahrgängen auch darüber. Wer hier Wein macht, kämpft selten gegen Unreife. Er kämpft gegen zu viel von allem auf einmal.