Böden in der Region Rías Baixas

Xabre & Granit

Böden

Wer im Val do Salnés eine Handvoll Erde vom Weinberg aufhebt, hält meist gar keine Erde, sondern körnigen, hellen Sand: Xabre, ein Gestein, das der Atlantik über Jahrtausende aus Granit herausgewittert hat. Zwischen den Fingern zerfällt es sofort zu grobem Splitt. Anderswo ist dieses Gestein selten. Rías Baixas gehört zu den wenigen Orten, an denen man ihm überhaupt einen eigenen Namen gegeben hat.

Xabre hält kaum etwas zurück. Wasser läuft sofort durch, Nährstoffe ebenso. Übrig bleibt ein magerer, saurer Boden, der jede Rebe zwingt, tief nach unten zu wachsen. Ausgerechnet in einer der regenreichsten Ecken Europas ist das ein Segen. So viel die tausendsechshundert Millimeter Jahresniederschlag auch klingen: Im Xabre versackt der Regen, statt die Wurzeln zu ertränken.

Tiefer, oft erst nach einem Meter, wird der Untergrund fest. Dort liegt das eigentliche Granit, ungebrochen und kaum verwittert, ein Vorrat für die trockenen Wochen im August. Wer als Rebe so tief hinunterkommt, übersteht auch einen Sommer ohne nennenswerten Regen. Genau das kommt hier öfter vor, als man angesichts der Regenmenge im Winter vermuten würde.

Von Ort zu Ort wechselt der Boden hier deutlich. Im Condado do Tea und in O Rosal, entlang des Miño, liegen stattdessen jüngere, fruchtbarere Anschwemmungen aus Kies, Sand und Ton. Dort wachsen kräftigere, oft rundere Weine. In der Ribeira do Ulla dagegen herrscht Schiefer vor, wärmer im Boden und mit tieferen Wurzeln. Das lässt die Weine dort eher nach Trockenfrucht schmecken als nach der salzigen Frische der Küste.

Auch hier hält sich ein Irrtum: Ein Wein schmecke „mineralisch“, weil die Pflanze das Gestein regelrecht aussauge. So einfach ist die Rechnung nicht. Über die Wurzel gelangen nur gelöste Salze, und zwar in Mengen, die weit unter der Nachweisgrenze jeder menschlichen Zunge liegen. Der eigentliche Hebel liegt woanders: im Wasser, das Xabre durchlässt oder Schiefer zurückhält, und in der Tiefe, bis zu der sich die Wurzel durcharbeitet.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünne dunkle Auflage aus verrottetem Laub, unter dem feuchten Atlantikklima schnell nachwachsend, aber kaum tiefer als eine Handbreit.

Die Wurzel: Hier liegen die Feinwurzeln. Sie holen, was der häufige Regen bringt — und leiden bei der ersten Sommertrockenheit als Erste.

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