
Atlantik trifft Rías
Klima
Vier breite Meeresarme schneiden hier tief ins Land, und jeder von ihnen mildert das Wetter ein Stück. Die Ría de Arousa, die größte und ergiebigste von allen, lässt kühle Atlantikluft ungehindert bis weit ins Landesinnere ziehen. Das hält die Sommer davon ab, wirklich heiß zu werden.
Was der Atlantik dafür verlangt, ist Regen, und zwar reichlich. Im Schnitt fallen über die ganze Denominación gerechnet rund tausendsechshundert Millimeter im Jahr. In Val do Salnés sind es meist zwischen vierzehnhundert und sechzehnhundert, davon allein sechshundert im Winter. Das ist enorm. Etwa doppelt so viel Regen fällt hier wie in vielen anderen europäischen Weißweingebieten. Trotzdem frieren die Reben an der Küste fast nie.
Die Jahreszeiten laufen hier gegen die übliche Erwartung. Winter und Frühling bringen den meisten Regen, kaum unter zehn Grad im Januar, dafür ohne Frost. Der Sommer dagegen bleibt oft trocken bis zur Dürre, weil wenig Niederschlag auf schnell entwässernde, sandige Böden trifft. Ausgerechnet dieser Wassermangel im August konzentriert den Zucker in den Beeren, kurz bevor im Herbst wieder stürmische, verregnete Wochen folgen.
Gegen die Feuchtigkeit hat man hier vor Generationen eine eigene Antwort gefunden: das Emparrado. Die Reben wachsen an Granitpfosten in anderthalb bis zwei Metern Höhe, weit über dem Boden, statt wie sonst üblich in Kniehöhe an Drähten entlangzulaufen, und so bleiben die Trauben von der Bodenfeuchte fern, während Luft unter dem Blätterdach zirkuliert und Mehltau weniger Angriffsfläche findet. Bei tausendsechshundert Millimetern Regen im Jahr ist das kein Luxus, sondern Voraussetzung.
Große Temperatursprünge zwischen Tag und Nacht, wie sie viele Weinregionen für Frische brauchen, fehlen an dieser Küste fast völlig. Stattdessen übernimmt der Atlantik selbst diese Aufgabe: Er hält die Tage mild und die Nächte kaum kühler. Genau diese Gleichmäßigkeit lässt Albariño seine Säure über Wochen halten, statt sie in wenigen heißen Tagen zu verlieren.