Herstellung in der Region Rías Baixas

Frisch statt Fass

Herstellung

Bei Albariño beginnt die Herstellung schon bei der Ernte, lange bevor der erste Tropfen überhaupt den Keller sieht. Erlaubt ist ausschließlich Handlese, Traube für Traube. Das Emparrado in anderthalb bis zwei Metern Höhe lässt keine Erntemaschine unter sich hindurch. Jeden Herbst mobilisiert die Region dafür rund dreißigtausend Erntehelfer. Sie verteilen sich auf rund zweiundzwanzigtausend Parzellen, die meisten davon kleiner als ein Viertel Hektar — ein Flickenteppich aus Kleinstbesitz, in dem kaum ein Winzer über eine ganze Hügelkuppe verfügt.

Nach der Ernte geht es schnell. Die Trauben werden meist innerhalb weniger Stunden sanft gepresst, ohne lange Standzeit auf der Schale. Albariño soll seine helle Farbe und die zarten Blütenaromen behalten, nicht Gerbstoff oder Bitterkeit aus der Beerenhaut aufnehmen. Die Gärung läuft danach kühl in Edelstahltanks, oft bei kaum mehr als sechzehn Grad. So entweichen die flüchtigen Aromastoffe nicht mit der Kohlensäure.

Ein Teil der Weine bleibt danach länger auf der Hefe liegen, statt sofort abgestochen zu werden — sobre lías nennt man das. Die abgestorbenen Hefezellen aus der Gärung geben dem Wein über Wochen mehr Textur und einen leicht cremigen Unterton, ohne die Frische zu verdecken. Auf dem Etikett steht das ausdrücklich, denn es ist eine bewusste Entscheidung im Keller, kein Zufall.

Nur ein kleiner Teil reift im Holz, als Rías Baixas Barrica ausgewiesen, in Fässern von höchstens sechshundert Litern. Wie viele Monate der Wein dort verbrachte, muss auf dem Etikett stehen, und meist bleiben es wenige — genug, um etwas Rundung zu geben, aber zu wenig, um die Zitrusnote unter Vanille zu begraben. Die meisten Häuser verzichten ganz auf Holz, weil Albariño seine Spannung lieber selbst mitbringt.

Kaum eine andere spanische Weißweinregion bringt ihre Weine so früh auf den Markt. Die meisten Flaschen verlassen den Keller im Frühjahr nach der Ernte, ohne jahrelange Reife im Fass. Das ist Absicht. Genau diese jugendliche Frische ist der Grund, warum man überhaupt nach Albariño greift.

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