
Kalkmergel & Duero-Terrassen
Böden
Über Peñafiel steht eine Burg, die aussieht wie ein Schiff. Sie sitzt auf einem schmalen Felsrücken aus Kalk und Ton. Zweihundertzehn Meter lang und kaum zwanzig breit, folgt sie genau der Form des Hügels darunter. Diesen Hügel hat Erosion über Jahrmillionen aus der kastilischen Kalkhochebene herausgeschnitten. Was hier oben als Bauplatz diente, ist unten im Weinberg der Boden.
Geologisch ist die ganze Region ein aufgefülltes Becken. Am Ende des Erdmittelalters entstand eine große Senke, die sich im Tertiär mit Sanden, Tonen und Kalkschichten füllte. Schicht für Schicht kam hinzu, je nachdem, ob gerade ein trockener oder ein feuchter Abschnitt herrschte. Übrig blieb ein Wechsel aus sandig-tonigen Lagen und harten Kalkbänken, die bis heute an vielen Hängen sichtbar liegen.
Näher am Fluss erzählt der Boden eine jüngere Geschichte. Der Duero legte über die letzten paar Millionen Jahre Terrassen aus Kies und Sand an, mal höher, mal tiefer, je nachdem, wie viel Wasser gerade floss. Diese Terrassen sind wärmer und durchlässiger als der Kalkboden der Hügel, was die Rebe dort früher austreiben und schneller reifen lässt.
Fruchtbar ist keiner dieser Böden im landwirtschaftlichen Sinn. Der pH-Wert liegt im basischen Bereich, organisches Material ist knapp, und Wasser läuft durch den sandigen Oberboden fast ungebremst hindurch, was die Wurzel in die Tiefe zwingt, hinunter zu den kalkigen Schichten, die auch im August noch etwas Feuchtigkeit halten. Kleine, konzentrierte Beeren sind die Folge, und mit ihnen die kräftige Farbe und das feste Tannin, für die Tinto Fino von hier bekannt ist.
Wie weich dieser Untergrund zu bearbeiten war, sieht man in Roa. Unter der Altstadt liegen rund hundertfünfundfünfzig alte Kelterhäuser und zweihundertachtunddreißig Keller. Alle sind von Hand in denselben Kalk und Sand gegraben, der oben in den Weinbergen die Wurzeln lenkt. Derselbe Stein, der den Wein reifen lässt, hat also auch den Ort geformt, in dem er gelagert wird.
Dünne, ockerfarbene Auflage aus sandigem Ton, kaum einen Spatenstich tief und arm an organischem Material.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln. Nach ein paar trockenen Sommerwochen finden sie fast nichts mehr.