Böden in der Region Rueda

Cascajo & Raña

Böden

Grab in einem Weinberg bei La Seca ein Loch. Schon nach zwei Handbreit stößt du auf runde, faustgroße Kiesel. Cascajo nennen sie das hier. Dieser Kies ist keine Laune der Natur, sondern der Rest uralter Flussterrassen: Vor Jahrmillionen trug ein Vorläufer des Duero Quarzitgestein aus den Bergen heran und rundete es auf dem langen Weg vollständig ab.

Diese Steine tun mehr, als nur im Weg zu liegen. Sie speichern tagsüber Wärme und werfen sie am Nachmittag auf die niedrig hängenden Trauben zurück. Gleichzeitig bremsen sie, wie schnell der Boden Feuchtigkeit an die trockene Luft verliert. Das Ergebnis sind kleine, dickschalige Beeren. In einer kleinen Beere steckt im Verhältnis mehr Schale als Saft, und dort sitzen die meisten Aromastoffe und ein Teil der Bitterstoffe, die für Verdejo typisch sind.

Unter dem Cascajo wird es unterschiedlich. Im Nordwesten der Zone, rund um Medina del Campo, liegt eine bis zu dreißig Meter dicke Schicht aus diesen Kieseln über rötlichem, kalkhaltigem Lehm. Der pH-Wert dieser Erde liegt bei sieben bis acht, ungewöhnlich hoch für einen Weinberg. Im Süden und Südosten dagegen wechseln sich Sand, Ton, Mergel und Kalk in dickeren, gleichmäßigeren Schichten ab. Aus denselben Trauben entstehen dort schwerere, weniger spritzige Weine.

Eine dritte, seltenere Variante hat der Region sogar alte Wurzelstöcke bewahrt. An einigen Stellen im Osten liegt bis zu acht Meter tiefer, fast reiner Sand über dem Gestein. Reblaus, die durch Erdgänge wandert, kommt in reinem Sand kaum voran. Deshalb tragen manche Weinberge hier über hundertfünfzig Jahre alte Verdejo-Stöcke auf eigener, nie gepfropfter Wurzel, sogenannte pie franco, während fast überall sonst in Europa nach 1880 amerikanische Unterlagen einziehen mussten.

Ein Missverständnis hält sich trotzdem hartnäckig: Der Boden schmecke im Glas mit, weil die Wurzel Mineralien direkt aufnehme und weiterreiche. Das stimmt so nicht. Was aus dem Cascajo tatsächlich im Wein ankommt, ist ein Umweg über Wärme, Wasser und eine Wurzel, die sich mühsam durch Stein statt durch weiche Erde arbeiten muss. Genau dieser Umweg macht am Ende den Unterschied.

Grab dich durchSchicht antippen

Dünner brauner Boden aus Sand und etwas Ton, arm an Humus. Kaum eine Handbreit dick, bevor der Kies beginnt.

Die Wurzel: Hier findet die Rebe fast nichts. Nach dem ersten Regen ist diese Schicht binnen Tagen wieder trocken.

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