
Schlank für Verdejo
Gläser
Verdejo lebt von Aromen, die leicht verfliegen: Fenchel, frisch geschnittenes Gras, Limette. Ein zu weites Glas verteilt sie auf einer großen Fläche. Genau dort verlieren sich die feinen Noten, bevor sie überhaupt an die Nase kommen. Für diesen Wein braucht es deshalb ein schmaleres, hoch aufragendes Glas, das sich zur Öffnung hin merklich verengt.
Die Form konzentriert den Duft auf einer kleinen Fläche und schickt ihn gebündelt nach oben, ähnlich wie beim Sauvignon Blanc, mit dem Verdejo oft verglichen wird. Wähle bewusst ein schmales Glas. Ein großer Ballon, den man eher für kräftigen Rotwein nimmt, bewirkt bei Verdejo nicht mehr Aroma, sondern weniger.
Auch die Temperatur verändert den Wein spürbar. Ein junger, im Stahltank ausgebauter Verdejo gehört zwischen acht und zehn Grad ins Glas. Das ist kühl genug, um die Frische zu halten, aber nicht so kalt, dass Duft und die typische leichte Bittere im Abgang verschwinden. Ein im Holzfass vergorener Verdejo verträgt zwei bis drei Grad mehr, sonst gehen die Röstnoten aus dem Fass im Kühlschrankeffekt unter.
Beim Vino Generoso ändert sich das Bild vollständig. Dorado und Pálido reifen jahrelang oxidativ oder unter einem Hefeschleier, ähnlich wie Sherry, und kommen mit vierzehn bis fünfzehn Prozent Alkohol ins Glas. Dafür braucht es ein kleineres, tulpenförmiges Kelchglas und eine wärmere Temperatur von etwa zwölf bis vierzehn Grad. Sonst bleiben die Röst- und Nussnoten stumm.
Die Füllmenge bleibt bei allen Stilen gleich bescheiden. Ein Glas wird höchstens bis zur breitesten Stelle gefüllt, das sind bei einem üblichen Weißweinglas kaum mehr als hundert Milliliter. Der Raum darüber ist kein verschenkter Platz. Dort sammelt sich der Duft, bevor er die Nase erreicht.