
Granit & Sandstein
Böden
Grab in einem Weinberg von Constantia Glen ein Loch. Du triffst zunächst auf eine feinkörnige, rötlich-braune Erde, die sich zwischen den Fingern fast wie Ton anfühlt. Sie stammt aus verwittertem Kap-Granit, jenem harten grauen Gestein, das vor gut einer halben Milliarde Jahren als geschmolzenes Magma unter der heutigen Kaphalbinsel erstarrte. Heute liegt es an der Oberfläche und ist zu einem Boden zerfallen, der mehr Ton enthält als fast jeder andere Weinbergsboden am Kap.
Zwanzig bis fünfunddreißig Prozent Ton stecken in dieser Erde, ein ungewöhnlich hoher Wert für ein Weinbaugebiet. Ton speichert Wasser wie ein Schwamm. Genau das erklärt, warum die Reben von Constantia den trockenen Sommer ohne künstliche Bewässerung überstehen: Was der Regen zwischen Mai und August einlagert, gibt der Boden Monat für Monat wieder ab. Anderswo am Kap, wo Granit zu sandigerem Material verwittert, fehlt dieser Puffer.
Weiter oben, an den steileren Rücken Richtung Constantiaberg, wechselt das Bild. Dort liegt Tafelbergsandstein, der sich erst viele Millionen Jahre nach dem Granit als Sand über dem längst erkalteten Gestein ablagerte. Schicht für Schicht wurde daraus ein über sechshundert Meter mächtiges Paket. Wo dieser Sandstein den Boden bestimmt, wachsen hellere, kargere Flächen mit weniger Ton und mehr grobem Quarzkies.
Winzer in Constantia sprechen offen über den Unterschied im Glas. Vom tonreichen Granit kommen Weine mit einer salzigen, fast herzhaften Note, während Lagen auf Sandstein mehr Fülle und Textur mitbringen, gerade beim Semillon. Keine Rebwurzel schmeckt dabei das Gestein selbst heraus. Was ankommt, sind Wärme, Wasser und der Zwang, tief zu wachsen, nicht gelöste Mineralien im eigentlichen Sinn.
Am Ende zwingt dieser Boden die Wurzel zu einem Umweg, der sich auszahlt. Sie arbeitet sich durch dichten Ton, statt mühelos durch lockeren Sand zu gleiten. Das drosselt den Ertrag von selbst, ganz ohne dass ein Winzer eingreifen müsste. Was am Kelter ankommt, ist entsprechend konzentriert.
Dünne dunkle Auflage aus Laub und Wurzelresten unter winterfeuchtem Klima, kaum mehr als eine Handbreit tief.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die nach dem ersten Winterregen als Erste anspringen.