
Zwei Meere kühlen
Klima
Von den Bergen, die Kapstadt umstellen, ist der Constantiaberg der südlichste Ausläufer des Tafelbergmassivs, und er liegt fast wie eine Landzunge zwischen zwei Ozeanen. Acht bis zwölf Kilometer südlich beginnt die False Bay, im Westen liegt in ungefähr derselben Entfernung der kalte Atlantik mit seinem Benguelastrom. Kein anderer Weinbau-Ward am Kap ist so eng von Wasser umschlossen. Das prägt jeden Jahrgang.
Diese Lage macht Constantia zum kühlsten Weinbaugebiet Südafrikas. Im Hochsommer liegen die Tageshöchstwerte im Mittel meist nur zwischen sechzehn und zweiundzwanzig Grad. Das ist deutlich weniger, als man auf diesem Breitengrad erwarten würde, und spürbar kühler als im nahen Stellenbosch oder Paarl. Wer im Januar durch die Weinberge fährt, braucht oft trotzdem eine Jacke.
Dafür sorgt vor allem ein Wind mit eigenem Namen: der Cape Doctor, ein kräftiger Südoster, der von September bis März durch die Bucht fegt. Seinen Spitznamen trägt er, weil er angeblich Smog und stehende Sommerluft aus der Stadt hinausbläst. Für die Reben ist er noch wichtiger als für die Lunge der Kapstädter. An den südexponierten Hängen von Constantia senkt er die Nachmittagstemperatur um vier bis fünf Grad, genau dann, wenn die Sonne am längsten auf die Trauben brennt. Das spürt man sofort.
Auch beim Regen ist Constantia eine Ausnahme. Bis zu tausend Millimeter fallen hier im Jahr, mehr als in jedem anderen Weinbaugebiet des Landes, und der größte Teil davon zwischen Mai und August, im südafrikanischen Winter. Die Sommer bleiben trocken, aber die Böden haben genug gespeichert, um ohne künstliche Bewässerung durchzuhalten, ein Luxus, den sich viele andere Kapregionen mit ihren dreihundert Millimetern Jahresniederschlag nicht leisten können. Anders geht es hier nicht.
Wer von Kapstadt aus auf den Tafelberg blickt, sieht oft, wie sich derselbe Wind zu einer Wolkendecke staut, die Einheimische das Tischtuch nennen. Sie hängt über dem Gipfel, während es im Tal darunter trocken bleibt. Für die Winzer in Constantia ist dieses Bild fast ein Wetterbericht. Liegt das Tuch, kühlt der Nachmittag zuverlässig ab, und die Trauben behalten ihre Säure bis weit in den März hinein.