
Granit & Schiefer
Böden
Grab am Fuss des Paarlbergs ein Loch, gleich neben einem alten Weinberg. Die obersten zwanzig, dreissig Zentimeter sind rötlich-braun und krümelig, fast wie Kies vermischt mit Sand: Grus, der Schutt aus verwittertem Granit. Darunter wird der Boden dichter und rotgelb. Diesen tonigen Lehm nennt die lokale Bodenkarte Hutton oder Clovelly, benannt nach den Farmen, wo er zuerst beschrieben wurde.
Dieser Granit ist uralt. Er gehört zur Kap-Granit-Suite und kristallisierte vor etwa fünfhundert Millionen Jahren aus aufsteigendem Magma. Heute liegt er als einer der grössten freistehenden Granitkomplexe der Welt frei, der Paarlberg selbst, drei glatte Kuppen mitten in der Stadt. Verwitterung arbeitet seit Jahrmillionen an diesem Gestein, Schicht für Schicht, und genau dieser Zerfall liefert den Boden, in dem die Reben heute stehen.
Dieser Lehm ist der eigentliche Schatz. Er hält Wasser fest, das im Winter fällt, gibt es aber langsam frei. So finden Wurzeln noch im trockensten Februar etwas zu trinken, drei oder vier Meter unter der Oberfläche. Genau das erlaubt es, Reben ohne Tropfbewässerung zu pflanzen, unirrigated heisst das im lokalen Jargon. Daraus stammen die konzentrierten alten Chenin-Blanc-Buschreben, für die der Distrikt bekannt ist.
Nach neunzig Zentimetern oder einem Meter wird der Bohrer hart, denn was jetzt kommt, ist der angewitterte Granit selbst: grauweisse Blöcke, sogenannte Kernsteine, zwischen denen nur noch Risse und schmale Adern aus Verwitterungsmaterial übrig bleiben. Nur wenige Wurzeln schaffen es so tief. Doch genau diese wenigen tragen die Rebe durch die trockensten Monate, wenn oben längst alles staubtrocken ist.
Nicht überall ist der Boden gleich. Im Westen des Distrikts, um Agter-Paarl, weicht der Granit stellenweise dunklerem Schiefer aus der Malmesbury-Gruppe. Dieser Schiefer hält Wasser anders und ergibt schwerere, festere Weine. Wer zwei Weine aus Paarl nebeneinander verkostet, einen von Granit, einen von Schiefer, schmeckt diesen Unterschied im Boden noch im Glas.
Rötlich-brauner, krümeliger Schutt aus verwittertem Granit, sandig-locker und arm an Nährstoffen.
Die Wurzel: Die Feinwurzeln der obersten Jahre. Sie trocknen im Sommer als Erste aus.