
Hugenotten und KWV
Region & Geschichte
Ein Fiskal auf der Suche nach einer Route ins Landesinnere stand hier 1657 vor einem Felsen. Nach einem Regenguss glänzten dessen nasse Granitkuppen silbern in der Sonne. Abraham Gabbema nannte den Ort de Diamondt en de Peerlberg, Diamant- und Perlenberg. Der Diamant verschwand bald aus dem Namen. Die Perle blieb, und aus Peerlberg wurde Paarl.
Dreissig Jahre später kam die nächste Welle. Ab 1688 rodeten französische Hugenotten die Ebene am Fuß des Paarlbergs. Sie pflanzten Reben und Obstbäume. Sie brachten auch Namen mit, die bis heute auf den Weinetiketten der Gegend stehen. Ihre Farmen trugen weisse, geschwungene Giebel im Kapholländischen Stil, mit Reet gedeckt und fast immer symmetrisch. Ein gutes Dutzend davon steht noch, mit Efeu bewachsen, mitten in aktiven Weinbergen.
Zweihundertdreissig Jahre nach den Hugenotten kam die nächste Zäsur, diesmal keine Auswanderung, sondern eine Krise. Zu viele Farmen produzierten zu viel billigen Wein, und die Preise fielen. 1918 gründeten Winzer unter Charles Kohler in Paarl eine Genossenschaft namens KWV, um Mindestpreise durchzusetzen und Überschüsse aus dem Markt zu nehmen. Ab 1924 bekam die KWV per Gesetz die Macht, Quoten zu verteilen und Preise zu diktieren. Diese Kontrolle endete erst 1997, als der freie Markt zurückkehrte und die KWV selbst zum privaten Unternehmen wurde.
Einer der prägendsten Köpfe der KWV kam über Umwege hierher. Abraham Perold kreuzte 1925 an der Universität Stellenbosch Pinot Noir mit Cinsaut und schuf damit Pinotage. Drei Jahre später wechselte er selbst zur KWV nach Paarl. Seine jungen Sämlinge liess er in Stellenbosch zurück, und sie wurden dort fast vergessen, bevor ein Kollege sie rettete. Fünfzig Jahre später schrieb ein anderes Weingut in Paarl Geschichte: 1975 versteigerte Nederburg zum ersten Mal edelsüssen Chenin Blanc, gewachsen aus Fäulnis, für den es zuvor gar keinen legalen Markt gab, und begründete damit die bekannteste Weinauktion Südafrikas.