
An einem Pinotage
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Halte ein Glas Pinotage aus Paarl schräg gegen ein weisses Blatt Papier. Am Rand zeigt sich fast immer ein sattes Purpur, dunkler als bei den meisten anderen südafrikanischen Rotweinen. Der Grund liegt in der Sorte selbst, die von Natur aus viel Farbstoff in der Schale trägt. Ein junger Jahrgang wirkt deshalb fast undurchsichtig in der Mitte des Glases.
Rieche zuerst, ohne das Glas zu bewegen, und dann noch einmal nach dem Schwenken. Im ruhigen Glas kommt oft Banane oder Nagellackentferner nach oben, ein Warnsignal, das bei schlecht gemachtem Pinotage bleibt. Bei gutem Pinotage tritt es nach dem Schwenken hinter reifer Pflaume, Rauch und einer Spur Süssholz zurück. Wer diesen Umschwung einmal erlebt hat, versteht, warum die Sorte zugleich geliebt und gefürchtet wird.
Im Mund fällt zuerst die Wärme auf. Weine von den Granithängen des Simonsberg-Paarl erreichen oft vierzehn bis fünfzehn Prozent Alkohol, und diese Wärme trägt Frucht und Tannin nach vorne, statt sie zu verstecken. Das Tannin selbst ist griffig, aber selten hart, weil die Schalen der Sorte weniger bitteres Tannin enthalten als etwa Cabernet Sauvignon. Genau das macht Pinotage schon jung trinkbar, während ein Bordeaux-Verschnitt aus derselben Lage oft noch Jahre braucht.
Am Ende zählt die Länge. Bei einem einfachen Alltagswein verschwindet der Geschmack nach wenigen Sekunden. Bei einem sorgfältig gemachten Pinotage aus alten Reben hält er zwanzig Sekunden oder länger, mit Rauch, der noch lange nach dem Schlucken bleibt. Stell daneben ein Glas Hanepoot. Wo der Pinotage warm und trocken endet, bleibt der Hanepoot süss und klebrig auf der Zunge, ein Kontrast, der zeigt, wie unterschiedlich zwei Weine aus demselben Distrikt schmecken können.