
Granit & Koffieklip
Böden
Grab in einem Weinberg am Fuß des Simonsberg ein Loch. Nach einer Handbreit wird die Erde rötlich, krümelig, fast sandig zwischen den Fingern. Das ist verwitterter Granit, hier so alt, dass sich das Gestein längst in seine Bestandteile aufgelöst hat: Feldspat, Glimmer, Quarzkörner, alle einzeln erkennbar.
Das Muttergestein stammt aus der sogenannten Cape Granite Suite. Sie erstarrte vor über fünfhundert Millionen Jahren tief unter der Erde. Das war lange bevor an dieser Stelle ein Berg oder ein Meer existierte. Über Jahrmillionen trug die Verwitterung das Deckgestein ab. Übrig blieb die Kruste, die heute die Hänge von Simonsberg, Helderberg und Jonkershoek formt. Der Boden hält Wasser gut, gibt aber kaum Nährstoffe her, rot bis gelb gefärbt vom Eisen im Gestein.
In manchen Weinbergen stößt der Spaten tiefer auf etwas Härteres: eine bräunlich-rote, fast verbackene Schicht. Man nennt sie hier Koffieklip, weil sie an gemahlenen Kaffee erinnert. Sie entsteht, wenn eisenhaltiges Grundwasser über Jahrtausende steigt und sinkt und dabei Eisenoxid ausfällt, das den Boden wie Zement verkittet. Die Schicht ist für Wurzeln fast undurchdringlich. Wo sie liegt, wächst die Rebe seitlich statt in die Tiefe, und das verändert, wie viel Wasser sie im Hochsommer noch findet.
Ganz anders sieht es weiter nördlich in Bottelary aus, dem wärmsten und trockensten der acht Bezirke von Stellenbosch. Dort liegt kein Granit, sondern verwittertes Tongestein der Malmesbury-Gruppe: dunkler, dichter, deutlich besser im Speichern von Wasser. Auf mehr als fünfzig erfassten Bodentypen wachsen deshalb in Stellenbosch auf engstem Raum völlig unterschiedliche Weine, obwohl über allen dieselbe Sonne steht.
Wurzeln in magerem Granitboden gehen tief, oft drei Meter und mehr, weil Wasser dort nur in der Tiefe zuverlässig ansteht. Kleine, dickschalige Beeren sind die Folge. In dicken Schalen sitzt der größte Teil von Farbe und Tannin. Deshalb schmecken Weine von den steilen Granithängen fast immer konzentrierter als die von den flachen Böden im Tal, nicht weil das Gestein Aroma abgibt, sondern weil es der Rebe das Leben schwer macht.
Dünne dunkle Auflage aus Laub und verrottetem Pflanzenmaterial, in vielen Weinbergen kaum eine Handbreit tief.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die den ersten Regen abgreifen — und die auch als Erste vertrocknen, wenn der Cape Doctor tagelang bläst.