
Eichen & Quoten
Region & Geschichte
1679 schickte der Kap-Gouverneur Simon van der Stel eine Erkundung ins Landesinnere. Sie fanden einen Fluss und nannten ihn, weil er der erste auf dem Weg war, schlicht Eerste River. Am Ufer gründete van der Stel eine Siedlung. Er gab ihr seinen eigenen Namen: Stellenbosch. Nach Kapstadt ist es die zweitälteste europäische Ansiedlung Südafrikas, und sie wuchs so rasch, dass sie schon 1682 eine eigene Verwaltung bekam.
Van der Stel wollte mehr als Häuser und Straßen. Zwischen 1685 und 1690 kamen französische Hugenotten ins Land, protestantische Flüchtlinge aus Frankreich, und sie brachten Weinbauwissen mit, das den Anbau am Kap entscheidend voranbrachte. Um 1687 ließ van der Stel obendrein rund zwölftausend europäische Eichen pflanzen. Jeder Anwohner musste selbst Bäume setzen. Die Alleen stehen bis heute, manche Stämme sind über zweihundert Jahre alt, und sie gaben der Stadt ihren zweiten Namen: Eikestad, die Eichenstadt.
Was danach kam, war weniger Idylle. 1918 gründeten Winzer aus der Kapregion die KWV, eine Genossenschaft gegen den ständigen Überschuss an billigem Wein. Ab 1957 verteilte sie über ein Quotensystem, wer wie viel pflanzen durfte, mit gesetzlicher Macht über Preise, Flächen und sogar über das Pflanzgut selbst. Für Stellenbosch bedeutete das jahrzehntelang Sicherheit und Stillstand zugleich. Es gab sichere Abnahme, aber wenig Anreiz, auf Qualität statt auf Menge zu setzen. Erst mit dem Ende der Apartheid 1994 öffneten sich die Exportmärkte. Die Produktion vervierfachte sich binnen zehn Jahren fast, und die KWV verlor 1997 ihre gesetzlichen Sonderrechte.
Parallel dazu entstand 1973 das Ursprungssystem Wine of Origin, gesetzlich verankert und vom Wine and Spirit Board überwacht. Herkunft, Rebsorte und Jahrgang auf dem Etikett mussten seither stimmen, geprüft, nicht bloß behauptet. Stellenbosch zählte zu den ersten amtlich abgegrenzten Distrikten. Schon zwei Jahre zuvor, im April 1971, hatten drei Winzer, Frans Malan, Niel Joubert und Spatz Sperling, mit elf Gütern die erste Weinroute Südafrikas gegründet. Heute sind es über hundertfünfzig.