
Die fünf Grundformen
Glastypen
Nicht jedes Glas passt zu jedem Wein. Bordeauxglas, Burgunderglas, Weißweinglas, ein Universalglas für den Alltag und ein eigenes Glas für Schaumwein: Fünf Grundformen decken fast jede Flasche ab. Jede davon betont eine andere Seite des Weins.
Das Bordeauxglas für kräftige Rotweine
Das Bordeauxglas ist hoch, mit einem breiten Kelch, der sich nach oben nur leicht verengt. Diese Form gibt kräftigen, tanninreichen Rotweinen wie Cabernet Sauvignon oder Syrah viel Fläche, an der Sauerstoff wirken kann. So runden sich harte Gerbstoffe schon im Glas etwas ab. Der lange Weg vom Kelch zur Nase lässt außerdem Alkoholdämpfe etwas verfliegen, bevor man riecht.
Der breite Schwenkraum ist kein Zufall, sondern die eigentliche Funktion des Glases. Wer den Wein im Bordeauxglas kreist, vergrößert die Oberfläche, die mit Luft in Kontakt kommt, in Sekunden um ein Vielfaches. Bei jungen, festen Weinen macht genau das den Unterschied zwischen einem verschlossenen und einem offenen Antrunk.
Das Burgunderglas für zarte Aromen
Burgundergläser sehen aus wie ein Ballon: sehr weit im Bauch, aber mit einer engen Öffnung, die sich nach innen wölbt. Diese Form ist für zarte, aromatische Rotweine wie Spätburgunder gedacht. Ihr Duft ist leicht flüchtig und soll schnell in die Höhe steigen, ohne sich im Raum zu verlieren.
Die große Oberfläche im Kelch bringt viel Wein mit wenig Luft in Kontakt, während die enge Öffnung die feinen Duftstoffe bündelt, bevor die Nase sie erreicht. Ein Nachteil bleibt die Größe: Ein volles Burgunderglas braucht auf dem Tisch spürbar mehr Platz als jedes andere Weinglas.
Weißweinglas und Universalglas
Weißweingläser sind kleiner und schlanker als Rotweingläser, mit einer aufrechteren Form. Das kleinere Volumen hält den Wein länger kühl, weil weniger Flüssigkeit der wärmeren Zimmerluft ausgesetzt ist. Die engere Form lenkt außerdem frische, säurebetonte Aromen wie bei Riesling gezielt nach vorne, statt sie im Kelch zu verteilen.
Ein gutes Universalglas übernimmt einen Kompromiss aus beiden Welten: mittelgroßer Kelch, leicht tulpenförmig verjüngt, für Rot- und Weißwein gleichermaßen brauchbar. Wer nur ein Glasmodell im Haus haben will, liegt damit selten falsch, auch wenn Spezialgläser bei einzelnen Weinen immer noch mehr herausholen.
Gläser für Schaumwein
Die klassische, schmale Flöte hält die Perlenketten des Schaumweins am längsten sichtbar, weil die enge Form ihnen wenig Fläche zum Entweichen lässt. Genau das ist aber auch ihre Schwäche: Wenig Oberfläche bedeutet wenig Raum für Duft, weshalb Champagner aus der Flöte oft stumm bleibt.
Immer mehr Winzer und Sommeliers schenken Champagner deshalb in ein schlankes, leicht tulpenförmiges Glas, das an ein kleines Weißweinglas erinnert. Es hält die Kohlensäure fast so lange wie die Flöte, öffnet aber genug Fläche, damit Brioche- und Hefearomen tatsächlich in die Nase kommen.
Wenn nur ein Glas im Haus ist
Nicht jeder braucht fünf verschiedene Glasformen im Schrank. Für die meisten Abende reicht ein einziges, gut gewähltes Universalglas völlig aus, solange es weder zu klein noch zu groß gerät. Wichtiger als die Vielfalt der Formen ist am Ende die Größe. Ein zu kleines Glas verhindert das Schwenken und drückt die Nase fast in den Wein. Ein Riesenglas wirkt dagegen unhandlich. Es lässt kostbaren Wein schneller verdunsten, als er überhaupt getrunken werden kann.
Wer langsam eine kleine Sammlung aufbauen möchte, beginnt am besten mit zwei Grundformen: einem etwas größeren Glas für Rotwein und einem kleineren für Weißwein. Erst danach lohnen sich spezialisierte Formen wie das bauchige Burgunderglas oder ein eigenes Glas für Schaumwein, wenn Budget und Regalplatz es zulassen. Diese beiden einfachen Grundformen decken schon einen Großteil aller Abende ab, ohne dass gleich ein ganzes Sortiment angeschafft werden muss. Alles Weitere bleibt eher Liebhaberei als echte Notwendigkeit für den normalen Weingenuss zuhause.
Gläser für Rosé und Dessertwein
Roséwein bekommt in manchen Häusern ein eigenes, schlankes Glas, das der Form eines Weißweinglases ähnelt, an der Öffnung aber oft etwas weiter ausgestellt ist. Diese Form zeigt die helle, oft zarte Farbe des Weins besonders gut. Gleichzeitig lenkt sie seine feinen, häufig blumigen oder fruchtigen Aromen zielgerichtet nach vorne zur Nase. Wer kein eigenes Roséglas besitzt, muss aber nicht extra kaufen gehen. Ein normales, schlankes Weißweinglas erfüllt denselben Zweck fast genauso gut und spart Platz im Schrank.
Süße Dessertweine wie Portwein oder eine edelsüße Auslese kommen dagegen meist in deutlich kleinere Gläser, weil von ihnen ohnehin nur ein kleiner Schluck getrunken wird. Ein kleines Volumen konzentriert Duft und Süße stärker als ein großer Kelch. Das verstärkt den intensiven Charakter solcher Weine, ohne dass man gleich ein halbes Glas davon leeren müsste. Kleine Gläser passen zudem optisch besser zu den kleinen Mengen, die bei stark gesüßten oder aufgespriteten Weinen ohnehin üblich sind. Sie wirken dadurch stimmiger als ein großes, halb leeres Weinglas.