
Pflege und Lagerung
Glas pflegen
Ein makelloses Glas ist keine Frage des Preises, sondern der Pflege. Das ist keine Übertreibung. Spülmittelreste, Fusseln vom Handtuch oder ein Hauch Gewürz aus dem Schrank reichen aus, um selbst den teuersten Wein stumpf schmecken zu lassen.
Warum Spülmittel der größte Feind ist
Spülmittel ist so gebaut, dass es Fett und Rückstände abweist, und genau diese Eigenschaft wird bei Wein zum Problem. Schon winzige Reste im Glas setzen die Oberflächenspannung herab, wodurch ein Wein flacher wirkt. Ein Schaumwein verliert dadurch seine Kohlensäure sogar noch schneller, weil die feinen Bläschen an unsichtbaren Fettresten frühzeitig zerplatzen.
Wer seine Gläser regelmäßig für Wein nutzt, spült sie deshalb am besten nur mit heißem Wasser. Höchstens ein winziger Tropfen mildes Mittel darf dazu, sofern er komplett nachgespült wird. In der Spülmaschine sollte das Klarspülprogramm ohne extra Klarspüler laufen, oder man wäscht empfindliche Gläser grundsätzlich von Hand.
Trocknen ohne Fusseln und Schlieren
Ein feuchtes Glas an der Luft trocknen zu lassen, klingt schonend, hinterlässt aber oft Kalkschlieren, sobald das Wasser verdunstet. Besser ist ein sauberes, fusselfreies Leinen- oder Mikrofasertuch. Damit poliert man das Glas noch warm, solange der Wasserdampf die Oberfläche weich hält und Streifen sich leicht wegwischen lassen.
Zum Polieren hält man das Glas am besten am Fuß, nicht am Kelch, damit keine neuen Fingerabdrücke entstehen. Wer öfter Gläser für Gäste vorbereitet, stellt sie kurz über heißes Wasser, bevor er sie mit dem Tuch nachzieht. Der Dampf löst getrocknete Wasserflecken, die trockenes Reiben allein nicht wegbekommt.
Richtig aufbewahren
Stehend gelagerte Gläser sammeln im Kelch leicht Staub und Küchengerüche, besonders wenn der Schrank auch Gewürze oder Reinigungsmittel enthält. Hängende Aufbewahrung am Fuß schützt den Rand vor Kratzern und hält den Innenraum frei, kostet aber Regalplatz, den nicht jede Küche hat.
Wer Gläser stehend lagert, sollte sie vor Gebrauch kurz mit warmem Wasser ausspülen und mit dem Tuch nachpolieren, selbst wenn sie sauber aussehen. Ein Geruchstest hilft dabei mehr als der Blick: Kurz in den leeren Kelch riechen, bevor man einschenkt, verrät Fremdgerüche zuverlässig.
Kratzer, Kalk und der Effekt auf Schaumwein
Feine Kratzer im Glasboden sind mit bloßem Auge kaum zu sehen, wirken bei Schaumwein aber wie kleine Ankerpunkte für Kohlensäure. Deshalb ätzen manche Gläser für Sekt und Champagner bewusst einen winzigen Punkt in den Boden. Dort bildet sich eine gleichmäßige Perlenkette, statt dass die Bläschen zufällig irgendwo aufsteigen.
Zu viele solcher Kratzer, etwa durch harte Spülbürsten, lassen den Schaumwein dagegen zu schnell und ungleichmäßig schäumen und verlieren so seine Spannkraft. Kalkflecken durch hartes Wasser lassen sich meist mit einem Schuss Essigwasser lösen, das man vor dem letzten Klarspülen kurz im Glas schwenkt.
Gläser für den Geschirrspüler
Nicht jedes Glas verträgt die Spülmaschine gleich gut, selbst wenn der Hersteller sie offiziell als spülmaschinenfest bewirbt. Hohe Temperaturen und aggressive Reiniger greifen dünnes Kristallglas über die Jahre an. Es wirkt dann milchig oder stumpf, auch wenn kein einziger Sprung zu sehen ist. Wer seine besten Gläser lange behalten will, wäscht sie deshalb besser von Hand, selbst wenn die Verpackung etwas anderes verspricht.
Für den Alltag mit einfacheren Gläsern spricht dagegen wenig gegen die Maschine, solange das Programm nicht zu heiß eingestellt ist und ausreichend Klarspüler im System vorhanden bleibt. Wichtig ist vor allem der Abstand zwischen den Gläsern im Korb. Stehen sie zu eng, klappern sie während des Waschgangs gegeneinander und bekommen feine Risse. Diese zeigen sich manchmal erst Wochen später als plötzlicher Bruch.
Wenn ein fremder Geruch bleibt
Manchmal riecht ein frisch gespültes Glas trotzdem seltsam, meist nach dem Küchenschrank, in dem es stand, oder nach dem Geschirrtuch, mit dem es zuletzt abgetrocknet wurde. Ein einfacher Trick hilft in den meisten Fällen. Etwas Zeitungspapier zerknüllt und über Nacht in das Glas gesteckt, nimmt Gerüche gut auf und neutralisiert sie, ohne selbst Feuchtigkeit oder Chemie zu hinterlassen.
Hartnäckigere Fälle, etwa nach längerer Lagerung mit Gewürzen in der Nähe, lassen sich mit einem Schuss Essig und heißem Wasser behandeln. Man schwenkt die Mischung kurz im Glas und spült danach gründlich mit klarem Wasser nach. Wer ganz sichergehen will, riecht vor dem Einschenken einfach kurz am leeren Kelch. Dieser einfache Test dauert nur Sekunden, verhindert aber, dass ein guter Wein an einem schlecht riechenden Glas scheitert.