
Dobó István, 1552
Region & Geschichte
Mönche legten hier Weinberge an, lange bevor irgendjemand von Bikavér sprach. Das war schon im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert, auf den Hügeln südlich des Bükk-Gebirges. Rotwein kannte man damals kaum, denn Ungarn war ein Land des Weißweins. Das änderte sich erst, als im fünfzehnten Jahrhundert serbische Flüchtlinge vor den vorrückenden Osmanen nach Norden zogen. Die Rácok, wie man sie in Ungarn nannte, brachten die Rebsorte Kadarka mit und das Wissen, Rotwein offen auf der Maische zu vergären.
1552 belagerte ein osmanisches Heer von rund vierzigtausend Mann die Burg von Eger. Verteidigt wurde sie von kaum mehr als zweitausenddreihundert Männern unter Burghauptmann Dobó István. Sechs Wochen hielten sie durch. Am Ende zog der Belagerer geschlagen ab, und Dobó István wurde zur Symbolfigur des ungarischen Widerstands — bis heute tragen eine Schule, eine Straße und ein Weinkeller in der Stadt seinen Namen.
Um diesen Sieg rankt sich die bekannteste Weinlegende Ungarns. Dobó István soll seinen erschöpften Soldaten dunklen Rotwein eingeschenkt haben, und als die Belagerer die roten Flecken auf Hemden und Bärten sahen, hielten sie es für Stierblut, das übermenschliche Kraft verleiht. Daher der Name Bikavér. Schön ist die Geschichte, wahr eher nicht: Ungarn stellte 1552 fast nur Weißwein her, und das Wort Bikavér taucht erst 1846 schriftlich auf, in einem Trinklied des Dichters Garay János. Zur Nationalgeschichte wurde die Legende erst 1901, durch Gárdonyi Gézas Roman Egri csillagok, der bis heute an ungarischen Schulen gelesen wird.
Der Ruhm von 1552 hielt keine fünfzig Jahre. 1596 fiel Eger nach drei Wochen an Sultan Mehmed III., und eine Besatzung von einundneunzig Jahren begann, die erst 1687 endete. Weinbau ging weiter, weil er Steuern brachte, und die Kadarka-Reben der Rácok blieben in der Erde.
Amtlich wurde all das erst spät. 1997 bekam Egri Bikavér als erster Wein Ungarns eine geschützte Herkunftsregel, den Districtus Hungaricus Controllatus, kurz DHC, nach dem Vorbild der französischen AOC. 2004 kam die strengere Stufe Superior dazu. 2010 einigten sich die Winzer schließlich auf einen weißen Gegenpart, den Egri Csillag. Aus Legende, Besatzung und Zuwanderung wurde so, reichlich spät, ein Regelwerk mit Paragraphen.