
Nyirok & Riolithtuff
Böden
Grab in einem Weinberg bei Mád ein Loch, und du triffst zuerst auf feinen, hellen Staub: Löss, vom Wind über Jahrtausende angeweht.
Darunter wird es rot. Diese Schicht heißt hier Nyirok, ein zäher, eisenhaltiger Ton, der entsteht, wenn vulkanisches Gestein über Jahrmillionen verwittert. In Tokaj sind das vor allem Riolithtuff und Andesit. Beide sind Reste von rund vierhundert erloschenen Vulkanen, die vor zwanzig Millionen Jahren diese Landschaft aufgeschüttet haben. Nyirok speichert Wasser wie ein Schwamm und gibt es nur langsam wieder ab, und genau das braucht eine Rebe in einem trockenen Spätsommer.
Noch tiefer liegt der Tuff selbst, verdichtete Vulkanasche. Er ist manchmal weich genug, um mit bloßen Händen Keller hineinzugraben. Genau daraus bestehen die berühmten Kellerlabyrinthe unter Tokaj und Sárospatak. Für die Rebwurzel ist er ein harter, aber poröser Speicher. Durch ihn arbeitet sie sich meterweit nach unten, um an Feuchtigkeit aus dem Vorjahr heranzukommen.
Welcher Boden über welchem liegt, unterscheidet sich von Lage zu Lage, manchmal nur wenige hundert Meter auseinander, und das ist der Grund, warum die Klassifikation aus dem achtzehnten Jahrhundert bis heute stimmt: Nyirok-Lagen bringen kräftigere, dichtere Weine, Löss-Lagen elegantere, weniger konzentrierte.
Ein Irrglaube hält sich hartnäckig, auch hier: dass die Rebe Mineralien aus dem Vulkangestein aufnimmt und der Wein sie später schmeckt. Was tatsächlich zählt, ist der Umweg über das Wasser: wie viel ein Boden hält und wie schnell er es abgibt. Danach richtet sich auch, wie tief eine Wurzel wachsen muss.
Feiner, heller Windstaub aus der letzten Eiszeit, kalkhaltig und im Sommer schnell durchlässig.
Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln. Sie holen, was der Regen gerade bringt, und sind als Erste trocken.