
Riedel für Furmint
Gläser
Zwei Weine, ein Problem: das Glas. Ein trockener Furmint mit messerscharfer Säure und ein Aszú, der so dickflüssig sein kann wie Honig, verlangen eigentlich Gegensätzliches. Kein Wunder, dass die Region lange mit geliehenen Gläsern auskam.
2015 entwickelte die österreichische Glasmanufaktur Riedel deshalb ein eigenes Furmint-Glas: ein ungewöhnlich weiter Bauch, der sich nach oben stark verengt. Der weite Bauch gibt der Säure Raum, sich zu runden. Die enge Öffnung bündelt die feinen, oft floralen Aromen von Sárgamuskotály und Hárslevelű, die in einem gewöhnlichen Weißweinglas sonst einfach nach oben entweichen würden.
Für einen Aszú reicht dagegen ein deutlich kleineres Glas, traditionell nur wenige Zentiliter, weil ein so konzentrierter Wein in großen Schlucken schlicht zu viel wird. Serviert wird er bei zehn bis zwölf Grad, kühl genug, um nicht klebrig-süß zu wirken. Warm genug muss es trotzdem bleiben, damit sich der Duft nach Aprikose und Honig entfalten kann.
Trockener Furmint verträgt dagegen mehr Kälte, acht bis zehn Grad, fast wie ein Riesling, und wärmer verliert er genau die Säure, die ihn neben einem Aszú überhaupt bestehen lässt, und schmeckt plötzlich flach.
Bei der Menge gilt für beide Stile dasselbe Prinzip wie überall. Nie randvoll. Ein Aszú wird ohnehin nur in kleinen Schlucken getrunken, oft löffelweise wie ein Dessert. Genau als solches sollte man ihn auch einschenken: großzügig im Duft, knapp im Volumen. Wer randvoll eingießt, raubt dem Duft genau den Raum, in dem er sich erst entfalten kann.