Verkosten in der Region Tokaj

An einem Aszú

Verkosten

Halte einen jungen Aszú gegen das Licht, und er leuchtet golden bis bernsteinfarben, nie das blasse Grüngelb eines trockenen Weißweins, während er mit zehn, zwanzig Jahren zu einem tiefen Bernstein wird, fast wie starker Tee.

Schwenk das Glas, und am Rand bilden sich dicke, langsam herablaufende Schlieren, umgangssprachlich Kirchenfenster genannt. Sie kommen vom hohen Zucker- und Glyceringehalt. Das sagt mehr über die Konzentration eines Aszú aus als jede Zahl auf dem Etikett.

In der Nase kommt zuerst die Frucht: reife Aprikose, manchmal Quitte, dazu Honig und ein Hauch Safran. Diese Kombination gibt es so nur bei botrytisierten Furmint-Trauben. Nach dem Schwenken folgt Komplexeres, Orangenschale, geröstete Nüsse, manchmal ein Hauch Rauch aus dem alten Gönci Hordó.

Im Mund entscheidet sich alles an einem einzigen Punkt: dem Verhältnis von Süße zu Säure. Ein Aszú, der nur süß schmeckt, gilt in Tokaj als misslungen. Was ihn trägt, ist die messerscharfe Säure von Furmint, die selbst durch hundertfünfzig Gramm Zucker noch durchsticht. Am Ende wirkt der Wein dadurch erfrischend statt klebrig.

Am Ende zählt die Länge. Ein guter Aszú hallt eine Minute und länger nach, mit wechselnden Aromen, die sich erst nacheinander zeigen. Wer mehrere Stile hintereinander verkostet, beginnt deshalb immer mit trockenem Furmint, dann Szamorodni, dann Aszú nach steigendem Puttonyos-Wert. Jede andere Reihenfolge bricht dem nächsten Wein die Säure, weil Süße die Zunge für alles Zartere danach betäubt.

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