
Bordeauxglas für Franc
Gläser
In Villány trinkt man nicht einen Wein, sondern zwei ziemlich verschiedene, und das sollte über das Glas entscheiden. Auf der einen Seite steht Kékoportó, jung, hell und mit wenig Tannin. Auf der anderen Seite steht der große, dichte Cabernet Franc, der Villány seinen Namen als Rotweinregion eingebracht hat.
Für den Kékoportó reicht ein kleineres, schlankeres Glas völlig aus. Seine Frucht liegt an der Oberfläche. Mehr braucht es nicht. Das Tannin, der pelzige Belag, den man nach einem Schluck am Zahnfleisch spürt, ist kaum spürbar. Ein weites Glas würde nur unnötig Alkoholdampf in die Nase treiben, statt die Frucht zu bündeln.
Beim Cabernet Franc ändert sich alles. Ganz anders. Die Sorte bringt in Villány kräftiges Tannin, feste Säure und oft einen würzigen, paprikaartigen Ton mit, dazu einen Alkoholgehalt, der in heißen Jahrgängen locker vierzehn Prozent erreicht. Ein bauchiges Bordeauxglas mit hohem Kelch gibt diesem Wein Raum, sich zu öffnen, während die enger werdende Öffnung die Aromen gebündelt zur Nase führt, statt sie einfach im Zimmer zu verteilen.
Bei der Temperatur trennen sich beide Weine noch deutlicher. Kékoportó schmeckt am besten kühl, um die zwölf bis vierzehn Grad, fast wie ein kräftiger Rosé. Der Cabernet Franc dagegen braucht sechzehn bis achtzehn Grad. Kälter wirkt sein Tannin hart und kantig, wärmer schmeckt er nach Alkohol statt nach Frucht.
Ein Szuperprémium Villányi Franc reift mindestens zwei Jahre, davon eines im Holz, und kommt frühestens im dritten Jahr nach der Lese in den Verkauf. So ein Wein hat Zeit gehabt, Bodensatz abzusetzen, und er braucht eine halbe Stunde Luft in der Karaffe, bevor er zeigt, was er kann. Direkt aus der Flasche bleibt er oft verschlossen wie eine Tür, hinter der noch niemand geklopft hat.