
An einem Franc
Verkosten
Halte ein Glas Cabernet Franc aus Villány schräg vors Licht, am besten über etwas Weißem. Jung zeigt der Rand ein sattes Violett, fast schon blauschwarz in der Mitte. Nach den vorgeschriebenen drei Jahren eines Szuperprémiums hat sich dieser Rand meist schon ins Ziegelrote verschoben, während der Kern noch dunkel bleibt. Das ist kein Fehler, sondern einfach nur Alter.
Riech zuerst, ohne das Glas zu bewegen. In Ruhe kommt meist dunkle Frucht nach oben, schwarze Johannisbeere und reife Pflaume. Schwenke danach, und ein zweiter, würzigerer Ton meldet sich: etwas wie grüne Paprika oder schwarzer Pfeffer, manchmal auch ein Hauch Graphit. Genau dieser Ton stammt von Pyrazin, demselben Aromastoff, der bei zu früher Ernte die ganze Nase beherrscht. Hier ist er nur noch eine Randnotiz.
Im Mund trennst du am besten zwei Dinge. Die Säure spürst du seitlich an der Zunge, sie hält den Wein auch nach Jahren im Fass noch frisch. Das Tannin, der raue Belag am Zahnfleisch, ist bei einem Kopár-Wein oft griffiger als anderswo in der Region, weil die dünnere Erde über dem Karst kleinere, konzentriertere Beeren erzwingt, und das schmeckt man lange nach. Beides zusammen ergibt ein Gerüst, das zehn, oft auch zwanzig Jahre trägt.
Zähl am Ende, wie lange der Geschmack bleibt, nachdem du geschluckt hast. Bei einem jungen RedY aus Kékoportó und Kékfrankos sind das vielleicht fünf Sekunden, angenehm, aber flüchtig. Bei einem Szuperprémium Villányi Franc zählt man zwanzig und mehr. Genau diese Länge macht am Ende den Unterschied.