
Sauerstoff gegen Tannin
Herstellung
Ein Rohstoff mit so viel Tannin wie Tannat stellt jeden Kellermeister vor dasselbe Problem. Wie wird daraus ein Wein, den man in fünf statt in fünfzehn Jahren trinken kann? In Uruguay hat sich dafür eine Technik durchgesetzt, die es in dieser Verbreitung kaum irgendwo sonst gibt.
Sie heißt Mikrooxygenierung. Durch eine poröse Keramikscheibe am Boden des Tanks strömt fortlaufend eine winzige, genau dosierte Menge Sauerstoff in den jungen Wein. Die Gerbstoffmoleküle verketten sich dabei zu größeren Einheiten. Das senkt die Adstringenz und gibt dem Tannat seine oft zitierte Note nach reifer Brombeere, statt nur nach hartem Griff am Gaumen zu schmecken.
Viña Edén in Pueblo Edén geht einen anderen Weg. Der Wein läuft dort allein durch Schwerkraft von einer Ebene zur nächsten, ganz ohne Pumpen, und reift statt im Holzfass in Betontanks. Das schont die Traube zusätzlich und verzichtet bewusst auf Röstaromen aus dem Fass, um den reinen Fruchtcharakter von Tannat zu zeigen.
Albariño braucht die gegenteilige Behandlung. Er vergärt kühl in Edelstahl, meist unter fünfzehn Grad, damit die flüchtigen Aromen von Zitrus und weißen Blüten erhalten bleiben. Holzkontakt käme hier selten infrage, er würde genau die Frische überdecken, für die Käufer diesen Wein überhaupt suchen.
Ein amtliches Herkunftssiegel wie in Europa kennt Uruguay bislang nicht. Schon 1903 stellte der Staat den Weinbau unter Aufsicht. Seit 1987 führt das Instituto Nacional de Vitivinicultura, kurz INAVI, diese Rolle weiter. Seit einem Dekret aus dem Jahr 1993 dürfen nur Weine aus Vitis-vinifera-Trauben die Bezeichnung Vino de Calidad Preferente tragen, mit acht Komma sechs bis fünfzehn Volumenprozent Alkohol und in Glasflaschen bis siebenhundertfünfzig Millilitern abgefüllt. Fast jeder Tannat und Albariño aus Maldonado erfüllt diese Vorgabe längst.