Böden in der Region Finger Lakes

Schiefer & Kalkstein

Böden

Grab an einem Hang über dem Seneca Lake ein Spatenstich tief. Nach wenigen Zentimetern Erde stößt der Spaten auf hellgraue Platten, die beim Anfassen splittern. Das ist Schiefer, und er liegt hier fast überall knapp unter der Oberfläche.

Der Stein selbst ist uralt. Vor 360 bis 416 Millionen Jahren, in der Devon-Zeit, spülten die Vorläufer der Appalachen Sand und Schlamm in ein flaches Meer, das über dem heutigen Bundesstaat New York lag. Aus dem feinsten Schlamm wurde Schiefer, aus gröberem Material Kalkstein und Sandstein, in abwechselnden Schichten von insgesamt über zwei Kilometern Dicke. Gletscher gruben Jahrmillionen später die heutigen Seetäler in genau dieses Gestein.

Genau diese Schichtung entscheidet über Leben und Sterben einer Rebe. Das ist keine Kleinigkeit. New Yorker Winter bringen Schnee und viel Regen im Frühjahr, und Wurzeln, die tagelang in stehendem Wasser sitzen, faulen. Der zerklüftete Schiefer lässt Wasser dagegen rasch nach unten durch, während seine Risse den Wurzeln trotzdem Halt geben. Wo stattdessen dicker, verdichteter Lehm liegt, kämpfen die Reben, und Winzer pflanzen dort lieber gar nicht.

Am Cayuga Lake reichen manche Weinberge bis auf eine Höhe von rund 240 Metern über dem Seespiegel, mit dünner Erdauflage und Schiefer, der fast an der Oberfläche liegt. Unter dem Schiefer folgt vielerorts eine feste Kalksteinbank. Sie hält Restfeuchte auch dann noch, wenn der obere Boden im August längst ausgetrocknet ist.

Nicht jeder Hang gleicht dem nächsten. Ein Weinberg über dem Keuka Lake kann komplett anderen Schiefer zeigen als einer zehn Kilometer weiter am Cayuga Lake, je nachdem, welche Schicht die Gletscher gerade dort abgetragen haben. Winzer sprechen deshalb selten von einem einzigen Boden der Finger Lakes. Sie sprechen von ihrem Hang.

Grab dich durchSchicht antippen

Lehmig-steiniger Rest der letzten Vereisung: zerriebener Schiefer, Kalksplitter und Ton, den der Gletscher liegen ließ.

Die Wurzel: Hier sitzen die Feinwurzeln, die im Frühjahr zuerst Wasser ziehen — und im Winter zuerst durchfrieren.

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