
Nebel und Nächte
Klima
Nebel gehört im Sommer zum Alltag. Wer im August um sechs Uhr morgens durch Carneros fährt, sieht kaum dreißig Meter weit, weil ein grauer Nebel nachts von der San Pablo Bay heraufsteigt und sich wie eine kühle Zunge zwischen die Hügel schiebt. Bis Mittag ist er weg.
Genau dieser Nebel entscheidet den Geschmack. Er hält die Nächte kühl, während die Tage heiß und trocken bleiben, und dieser Unterschied zwischen Tag- und Nachttemperatur, den Fachleute den diurnalen Schwankungsbereich nennen, erreicht im Süden des Tals zwanzig bis über dreißig Grad. Säure baut sich in Hitze schnell ab. Kühle Nächte bremsen genau das und retten der Traube ihre Frische.
Nicht jeder Teil bekommt gleich viel Nebel ab. Carneros ganz im Süden liegt in der kühlsten Klimastufe des Winkler-Systems, das die kalifornische Weinbauforschung nutzt, um Anbaugebiete nach ihrer sommerlichen Wärmesumme in fünf Stufen zu ordnen. Weiter nördlich, Richtung Calistoga, liegt die Bucht weit zurück. Dort schwankt die Temperatur zwischen Tag und Nacht nur noch um neunzehn bis fünfundzwanzig Grad, und tagsüber wird es spürbar heißer.
Zwei Bergketten fassen das Tal wie eine Rinne ein. Die Mayacamas im Westen und die Vaca Mountains im Osten kanalisieren den Nebel und werfen zu unterschiedlichen Tageszeiten Schatten, sodass ein Hang am Vormittag noch kühl liegt, während der gegenüberliegende schon in praller Sonne steht. Manche Lagen ragen aus dem Nebel heraus. Sie reifen gleichmäßiger als der Talboden darunter, weil sie die kühle, feuchte Nachtluft gar nicht erst erreicht.
Fünfzig Kilometer trennen kaltes von warmem Klima. Innerhalb dieser kurzen Strecke liegen ein Kühlklima für Pinot Noir und ein warmes Anbaugebiet für dichten Cabernet nebeneinander. Kein anderes Detail erklärt das besser.