
Vulkan trifft Ozean
Böden
Grab in einem Weinberg bei Rutherford ein Loch. Nach wenigen Zentimetern wird der dunkle, sandige Lehm oben steiniger, und du stößt auf abgerundete Kiesel, die aussehen, als kämen sie aus einem Flussbett. Genau das ist ihre Herkunft. Das ist Rutherford Dust, benannt nach dem feinen Staub, der bei der Ernte über den Trauben liegt.
Flüsse prägten diesen Boden über Jahrtausende. Sie trugen aus den Mayacamas im Westen Schotter und Sand ins Tal und lagerten ihn immer wieder fächerförmig ab, Schicht über Schicht, bis daraus die Bank wurde, auf der heute ein Großteil der berühmtesten Cabernet-Weinberge steht. Wasser läuft hier schnell durch. Wurzeln finden Halt zwischen den Kieseln statt in dichtem Ton, und genau dieser Stress zwingt die Rebe, tief zu wachsen.
Nur wenige Kilometer östlich sieht der Untergrund völlig anders aus. Die Vaca Mountains im Osten sind vulkanischen Ursprungs: Basaltbrocken, tiefroter Lehm aus verwittertem Gestein und verdichtete weiße Vulkanasche wechseln sich ab, dazu grobes Geröll, das an steilen Hängen abrutschte. Wein aus diesen Böden schmeckt oft dunkler und rauer in den Tanninen als der weichere Rutherford-Stil. Beide Weinberge gehören trotzdem zur selben Rebsorte.
Im Süden der Mayacamas kommt eine dritte Geschichte dazu. Dort liegt uraltes Gestein, das vor Jahrmillionen aus dem Meer gehoben wurde, sedimentär und von Salzwasser geformt, lange bevor hier überhaupt ein Tal oder auch nur eine einzige Rebe existierte. Amerikanische Bodenkundler zählen im Napa County genau hin. Sie kommen inzwischen auf ziemlich genau hundert einzelne Bodenserien, auf einer Fläche, die kleiner ist als so mancher deutsche Landkreis.
Diese Vielfalt erklärt, warum zwei Weinberge, die nur ein Feldweg voneinander trennt, unterschiedlich schmecken können. Der eine steht auf Geröll aus einem Fluss, der längst verschwunden ist. Der andere auf erkaltetem Vulkangestein. Beide heißen Napa Valley.
Dunkler, lockerer Lehm mit feinem Sand, durchsetzt von kleinen abgerundeten Kieseln aus altem Flussschotter.
Die Wurzel: Hier liegen nur die Feinwurzeln — der Boden trocknet nach jedem Regen als Erstes aus.