Herstellung in der Region Oregon

Ganztraube, alte Fässer

Herstellung

Im Keller gilt in Oregon oft eine Regel: möglichst wenig tun. Viele Winzer im Willamette Valley lassen die Trauben mit den eigenen, wilden Hefen von der Schale aus vergären, statt eine gezüchtete Hefe zuzusetzen, weil die wilden Stämme dem Wein angeblich mehr von seiner Herkunft mitgeben. Bewiesen ist das nicht überall. Die Tradition reicht trotzdem bis zu David Lett und seinem Weingut Eyrie Vineyards zurück, der schon in den Sechzigern kaum eingriff.

Manche Trauben landen dabei ungetrennt von ihren Stielen im Gärbottich, statt vorher vollständig entrappt zu werden. Winzer nennen das Ganztraubengärung. Das klingt technischer, als es ist. Es bringt mehr Struktur und einen würzigen, manchmal an schwarzen Pfeffer erinnernden Ton in den fertigen Wein. Zu viel Stiel schmeckt allerdings bitter und grün, weshalb der genaue Anteil von Weingut zu Weingut stark schwankt und meist ein gut gehütetes Geheimnis bleibt.

Beim Ausbau setzt man überwiegend auf französische Eiche, aber selten auf neues Holz. Die meisten Fässer haben schon zwei oder drei Jahrgänge hinter sich und geben deshalb kaum noch Vanille- oder Röstaromen ab. Sie lassen die zarte rote Frucht des Pinot Noir in Ruhe. Ein neues Fass würde einen so leichten Wein sonst regelrecht überdecken.

Draußen im Weinberg ist Oregon so weit gegangen wie kaum ein anderer US-Bundesstaat. Das ist viel für die USA. Fast die Hälfte der Rebfläche trägt heute ein Nachhaltigkeitssiegel, von den Dundee Hills bis ins Rogue Valley, mehr als in jeder anderen großen Weinregion des Landes. Viele davon laufen über LIVE, ein 1997 von Oregoner Winzern selbst gegründetes Programm für Weinbau mit möglichst wenig Dünger und Spritzmitteln. Mehr als die Hälfte aller biodynamisch zertifizierten Rebflächen der ganzen USA – ökologisch bewirtschaftet, dazu nach Mondkalender und mit eigenem Kompost statt Kunstdünger – liegt allein in Oregon. Der Staat stellt sonst nur einen kleinen Teil der amerikanischen Weinfläche.

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